Die Zeichen der Zeit !
Aus: Maria Heute
Nr. 433
  Februar 2007


Die Zeichen der Zeit, die Gott uns gibt, sind ein dringlicher Aufruf zu Bekehrung und Unterscheidung der Geister. Der Herr erleuchtet uns durch sein Wort der Wahrheit, denn er will uns helfen zu verstehen, was er uns heute sagt, damit wir nicht in die Irre gehen, son­dern voll Frieden in seinem Licht gehen. Seien wir daher in wachsamer Erwartung kluge Zeugen für die Gegenwart des Herrn in unserem Leben und in der Kirche.
 
(Mt 16,3)
Der Evangelist Matthäus berichtet uns von einer Diskussion zwischen Jesus, den Pharisäern und den ungläubigen Saduzzäern, die nicht fähig waren, die Zeichen der Ankunft des Messias, die sich in Jesus erfüllt hatten, zu er­kennen. Deshalb warf ihnen der Herr vor:
Mt 16,2.3: «Am Abend sagt ihr: Es kommt schönes Wetter, denn der Himmel ist rot. Und am Morgen: Heu­te gibt es Sturm, denn der Himmel ist rot und trüb. Das Aussehen des Himmels könnt ihr beurteilen, die Zeichen der Zeit aber nicht.» (Vgl. Lk 12,56)
Hier bezieht sich der Ausdruck «Zeichen der Zeit» (griech.: semeia to kairon) auf das Kommen des Messias mit allem, was dazu gehört, d.h. sein Wort des Heils und des Friedens, seine Werke, seine Wunder, die baldige Königsherrschaft usw. Später stoßen wir im Evangelium auf die Frage der Jünger, die die Zeichen seiner Ankunft und des Endes der Welt verstehen wollen:
Mt 24,3: «Sag uns, wann wird das geschehen, und was ist das Zeichen für deine Ankunft und das Ende der Welt?»1

Der Herr hört diese Frage; er hält sie nicht für unwichtig wie allzu viele Gläubige, die die Heilige Schrift nicht zu kennen scheinen, fälschlich meinen. Im Gegenteil, Jesus antwortet ihnen und lehrt sie detailliert das Erforderliche, damit sie die Vorzeichen sei­ner glorreichen Ankunft er­kennen können. Wenn wir zuerst auf den Text schauen, der im Matthäusevangelium folgt (vgl. Mt 24,4-44), stoßen wir auf drei Schlüsselpunkte:

Das Auftreten von Menschen, die sich zu Unrecht für den Messias ausgeben, Kriegsgetümmel, Konflikte zwischen den Völkern, Hun­gersnöte und Erdbeben (so­wie Pest, vgl. Lk 21,11) an vielen Orten. Es kommt zu Verfolgungen der Christen und der Kirche, zu Verrat und gegenseitigem Hass. Dann kündet Jesus die falschen Propheten an, die viele in die Irre führen werden. Die Missachtung von Gottes Ge­setz wird überhand nehmen, die Liebe bei vielen erkalten. Folgendes Schlüsselzeichen gibt der Herr uns an, damit wir es leichter erkennen können: (Mt 24,14) «Aber dieses Evangelium vom Reich wird auf der ganzen Welt verkün­det werden, damit alle Völker es hören; dann erst kommt das Ende.» Dann führt Jesus seine Erläuterung noch weiter aus und gibt einige histori­sche Details der Zukunft an: Der unheilvolle Greuel wird am heiligen Ort stehen, eine sehr große Not wird kommen, mancher falsche Messi­as und mancher falsche Pro­phet wird auftreten und große Zeichen und Wunder tun, um die Menschen und sogar die Auserwählten irrezuführen. Hier mahnt der Herr uns, dass wir diesen Lügnern, die die Not der anderen ausnutzen, nicht folgen sollen. Schließ­lich spricht Jesus davon, dass sich die Sonne und der Mond verfinstern und alle Völker der Erde jammern und kla­gen werden; er spricht vom Zeichen des Menschensohnes nach der großen Not. Es wäre gut, diesen Text - gemeinsam mit den Parallelstellen der anderen Evangelisten (Mk 13; Lk 21) - wieder einmal auf­merksam zu lesen. Die ganze Pädagogik des Herrn ist eine Mahnung zur Wachsamkeit; es geht ihm also darum, dass wir verstehen, dass wir se­hen, was eintrifft und dass wir beharrlich beten, verwurzelt im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Das war die Haltung der Urkirche, die als echte Prophetin des Herrn dazu aufrief, die Zeichen der Zeit klug zu erkennen (vgl. I Thess 5,17; I Tim 4, usw.), um nicht im entscheidenden Augenblick in die Irre zu ge­raten. Wer nämlich diesen Aspekt des göttlichen Wor­tes vernachlässigt oder nicht kennt, lässt sich leichter be­tören... Nebenbei bemerkt: Viele Päpste waren im Laufe der Geschichte davon über­zeugt, dass die Wiederkunft des Herrn unmittelbar bevor­steht und daher forderten sie die gesamte Kirche auf, sich vorzubereiten... Wir sollten daher mehr als je zuvor in dieser Haltung der liebenden und wissenden Erwartung sein. Andererseits hat uns der Herr in seinem unermesslichen Mitgefühl noch viele andere Zeichen gegeben, da­mit wir all das verstehen. Ei­nige dieser wichtigen Zeichen stellt uns die Heilige Schrift vor Augen:
 
Lk 21,20: «Wenn ihr aber seht, dass Jerusalem von einem Heer eingeschlossen wird, dann könnt ihr daran erkennen, dass die Stadt bald verwüstet wird.»
 
Lk 21,23f: «Eine große Not wird über das Land herein­brechen: Der Zorn (Gottes) wird über dieses Volk kom­men. Mit scharfem Schwert wird man sie erschlagen, als Gefangene wird man sie in alle Länder verschleppen, und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfüllen.» (vgl. Offb 11,2f) Heute stehen wir am Ende der Zeiten der Heiden...
 
Lk 21,25: «...auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.»
 
2Tim 3,1-5: «Das sollst du wissen: In den letzten Ta­gen werden schwere Zeiten anbrechen. Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, über­heblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht, lieblos, un­versöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, rücksichtslos, roh, heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr dem Ver­gnügen als Gott zugewandt. Den Schein der Frömmigkeit werden sie wahren, doch die Kraft der Frömmigkeit wer­den sie verleugnen...»
 
2Tim 4,3f: «Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht er­trägt, sondern sich nach eige­nen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Ge­hör schenken, sondern sich Fabeleien zuwenden.»
 
Gal l,7t: «Es gibt nur ei­nige Leute, die euch verwir­ren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen. Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel.»
IThess 5,3: «Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit, kommt plötzlich Verderben über sie wie die Wehen über eine schwangere Frau, und es gibt kein Entrinnen.»
 
2 Petr 2,1: «Es gibt aber auch falsche Propheten im Volk; so wird es auch bei euch falsche Lehrer geben. Sie werden verderbliche Irrlehren verbreiten und den Herrscher, der sie freigekauft hat, ver­leugnen; doch dadurch wer­den sie sich selbst bald ins Verderben stürzen.»
 
2Thess 2,3: «Lasst euch durch niemand und auf kei­ne Weise täuschen! Denn zu­erst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens...»
 
Offb 8,10f: «Der dritte Engel blies seine Posaune. Da fiel ein großer Stern vom Himmel; er loderte wie eine Fackel und fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Quel­len. Der Name des Sterns ist "Wermut".» (Tschernobyl in der Ukraine...)
 
Offb 13,15: «Es wurde ihm (dem falschen Propheten,
dem Antichrist) Macht gege­ben, dem Standbild des Tieres (ein frevlerischer, verstorbe­ner König, dessen diabolische Lehre man wieder aufleben lässt) Lebensgeist zu verlei­hen, so dass es auch sprechen konnte...»
 
Offb 16,2: «Der erste (Engel) ging und goss sei­ne Schale über das Land. Da bildete sich ein böses und schlimmes Geschwür an den Menschen, die das Kennzei­chen des Tieres trugen und sein Standbild anbeteten...»
 
Offb 16,12-16: «Der sechste Engel goss seine Schale über den großen Strom, den Eu­lrat. Da trocknete sein Wasser aus, so dass den Königen des Ostens der Weg offen stand. Dann sah ich aus dem Maul des Drachen und aus dem Maul des Tieres und aus dem Maul des falschen Propheten drei unreine Geister hervor­kommen, die wie Frösche aussahen. Es sind Dämonen­geister, die Wunderzeichen tun; sie schwärmten aus zu den Königen der ganzen Erde, um sie zusammenzuholen für den Krieg am großen Tag Gottes, des Herrschers über die ganze Schöpfung. Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig, wer wach bleibt und sein Gewand anbehält, damit er nicht nackt gehen muss und man seine Blöße nicht sieht. Die Geister führten die Könige an dem Ort zu­sammen, der auf hebräisch Harmagedon heißt.»2
 
Mt 24,30f: «...und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herr­lichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammen­führen, von einem Ende des Himmels bis zum anderen.»
 
Wie wir sehen, hat uns Gott viele Zeichen gegeben, an denen wir die Zeit erken­nen'können. Es handelt sich hier nicht um Privatoffen­barungen, die natürlich ihre Bedeutung haben, wenn sie echt sind, sondern es geht um die Offenbarung, die in der Heiligen Schrift verankert ist und jedes Wort übersteigt. Dieses göttliche Wort soll von der Kirche unermüdlich ver­kündet werden. Wie schon die Urkirche - wir haben es soeben in den Texten gesehen - so muss auch die heuti­ge Kirche ihre prophetische Sendung erfüllen. Mehrere wichtige Dinge, die uns hel­fen, im Licht der Wahrheit zu bleiben, sollen besonders hervorgehoben werden:
Der Herr verweist mit Nachdruck auf die falschen Propheten und auf diejeni­gen, die als falscher Messias auftreten. Er mahnt uns, ih­nen nicht zu folgen und dafür müssen wir auf die Heilige Schrift hören - in Treue zum offiziellen Lehramt der Kir­che, das heute vor der ganzen Welt das Evangelium verkündet...
Andererseits verwerfen heute viele Menschen das Evangelium teilweise oder ganz; sie verachten oder ver­folgen die Kirche auf verschie­dene Weise. Es herrscht eine spirituelle Hungersnot, aber die Menschen wenden sich von der Wahrheit ab, wie der Apostel Paulus sagt. Sie hören auf Fabeleien, auf dämoni­sche Lügen und wollen den Antichrist aufnehmen. Man­che Bücher und Filme, die unlängst erschienen, bewei­sen das nur zu deutlich...

Was den Glaubensabfall anbetrifft, so ist er eine sicht­bare Realität in allen einst­mals christlichen Völkern, insbesondere im Westen. Zur Verdeutlichung einige Zahlen
aus Frankreich: (La Croix Nr. 37178; Documentation Catho-lique Nr. 2340). 1950 gab es mehr als 1000 Priesterwei­hen jährlich. 2005 waren es nur noch 110... Innerhalb von zehn Jahren gingen die Eintritte ins Priesterseminar um mehr als die Hälfte zu­rück. Nur noch 3637 Prie­ster sind jünger als 50 Jahre. 1992 wirkten in Frankreich 30909 Diözesanpriester, 2005 waren es 13510. Die Zahl der Ordenspriester ist innerhalb von 10 Jahren um 20% zu­rückgegangen. 2005 waren es noch 5400. In zehn Jahren werden manche Diözesen nicht einmal mehr 10 Prie­ster haben... Nur die Hälfte der Seminaristen erreicht die Priesterweihe. Die Zahl der regelmäßig praktizierenden Gläubigen liegt zwischen 2 und 4 Prozent... Ein solcher Glaubensabfall ist eine Reali­tät, die leider ganz verschwie­gen wird. Und das gilt nicht nur für Frankreich... Jeder möge sich also sein eigenes Bild machen.

Ein weiteres dunkles Er­eignis muss noch mehr be­tont werden: Es handelt sich um die Abstimmung, die dazu führte, dass eine satani­sche Gruppe den Eurovision Songcontest gewann. Der Teufel versteckt sich jetzt nicht länger; er bekommt die meisten Stimmen und den größten Beifall. Das ist eine Warnung für Europa und die ganze Welt. Es ist sehr wahr­scheinlich, dass der Antichrist (in weniger als zwanzig Jah­ren) auf eine ähnliche Weise kommen wird, getragen von Menschenscharen, die vom Glauben abgefallen sind und unterstützt von den Medien. Die ganze Welt wird dann bestürzt sein. Wir müssen uns dieser Dinge bewusst sein.
Die vielgesichtigen Re­visionisten werden immer mehr und reißen die Kirche an sich, deshalb müssen wir ganz besonders mit Jesus, mit dem Papst und mit der hei­ligen Lehre vereint bleiben. Der Teufel will die Kirche von innen her auf verschiedene Weisen entzweien. Leisten wir ihm Widerstand durch echte geschwisterliche Liebe, durch die Einheit im Heiligen Geist, durch Demut und Frieden im Glauben (vgl. Eph4,2f).
Du kleiner Rest, es warten schwierige Augenblicke auf uns, aber schon jetzt sind wir siegreich. Wenn wir treu blei­ben, werden wir sowohl die Niederlage des Widersachers und seiner Anhänger erleben als auch den Triumph unseres siegreichen Herrn. Angesichts zunehmender Katastrophen, Fluten, Auswirkungen von Dürre, neuer Epidemien, der Unsicherheit in der Welt, sind die Menschen besorgt, aber Gott verlässt die Welt nicht, sondern kommt ihr zu Hilfe, damit sie sich bekehrt und in Ihm Frieden und Licht fin­det. Machen wir uns eilig ans Werk!

Gemäß seines propheti­schen Wortes (vgl. Offb 12,lf) hat Gott uns in seiner gro­ßen Betrübnis die gekrönte Gottesmutter gesandt. Sie hat uns bei ihren mannigfachen Erscheinungen mit Liebe auf den Weg des Herrn zurück­geführt. Sie fordert uns auf, Zeugnis abzulegen für die Zeichen der Zeit.

Die Ereignisse der Welt treffen mit ihrem ganzen Ge­folge von Übeln ein, aber wir bleiben voll Gelassenheit im Herrn. Wir wissen, um was es geht, und im Gebet sind wir unablässig mit Gott ver­eint. Er gibt uns die Kraft zu lieben, indem er unseren Geist für das Verständnis der Heiligen Schrift öffnet (vgl. Lk 24,45).
 
Jacques Magnan
 
 
 
Anmerkung:
1.  Mt 24,3: Bei den meisten Bibel­übersetzungen steht für «synteleias tou aiönos» «Ende der Welt», wäh­rend es wörtlich «Erfüllung oder Vollendung des Zeitalters» heißen müsste. Dieser Ausdruck bezeich­net das Ende der gegenwärtigen Welt, das Ende dieser Welt mit allem, was an Verirrung in ihr ist. Er   bezeichnet   andererseits   den Abschluss, das Ende der Welt, die der Macht des Bösen, der Macht Satans, unterworfen war und das Kommen einer neuen Welt, in der Gottes Liebe und Licht herrschen. Gottes Wille ist es, dass die Erde zu einem Paradies wird. Aber erst im Himmel, in der ewigen Seligkeit der   Erwählten,   werden   wir   die reine, vollkommene Glückseligkeit vollständig  und  in  unaussprech­licher Weise genießen.
2.  Der hebräische Begriff Harma-gedon, der oft als «Berg von Meg-guido» oder «Berg Mageddo» inter­pretiert wird, passt nicht in den geographischen Kontext der Sze­ne.   Dieses   geheimnisvolle  Wort kann   von   zwei   anderen   hebrä­ischen Worten  kommen:  «horma gedudehon» (Vernichtung ihrer Ar­meen). Auch dieser Begriff würde sich auf Götzendienst auf einem Berg in Richtung des Eufrats bezie­hen und befände sich also in Über­einstimmung mit dem Text.
Das Tier kommt aus einem abend­ländischen Reich (vgl. Offb 13,1f; 17,8f)...
Zum Thema Glaubensabfall und baldiges Auftreten des Antichrist usw. siehe auch mein Buch «Les Fils de la lumiere», Kommentar zu den beiden Briefen an die Thessalonicher.