Die Zeit der Heiden Lk 21,24)
Aus: Zeitschrift: "Maria heute" Nr 426 Parvis Verlag (lesensert)
 
Wir leben an einem Wendepunkt der Geschichte. Zur Zeit erleben wir — auch wenn es nicht den Anschein hat — das Ende der Zeit der Heiden, die mit einer erdrückenden Apotheose abschließen wird.
Dann kommt die Zeit, in der alle Menschen wissen werden, dass Gott existiert1. Sie werden sein Reich des Friedens, der Wahrheit und der Liebe annehmen. Wappnen wir uns momentan noch mit viel Geduld. Selig, wer Gott, den Herrn, bereits jetzt in seinem Herzen und in seinem Leben herrschen lässt.
 Heiliger Paulus (Russische Ikone von Rublev)
 
 
Die Zeit der Heiden
Im Evangelium gibt es einen Abschnitt, der die Exegeten immer neugierig gemacht hat: Was will Jesus sagen, als er von der Erfüllung der Zeit der Heiden spricht? Betrachten wir den Kontext dieser Rede:
Lk 21, 23f: «Denn eine große Not wird über das Land hereinbrechen: Der Zorn [Gottes] wird über dieses Volk kommen. Mit scharfem Schwert wird man sie erschlagen, als Gefangene wird man sie in alle Länder verschleppen, und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfüllen.»
Mehrere Dinge sind hier zu beachten.
Jesus verkündet zuerst die Zerstreuung und die Verfolgung des jüdischen Volkes. Diese Prophezeiung ist im Laufe der Jahrhunderte Wirklichkeit geworden — in unserer Zeit während des zweiten Weltkrieges, wo die teuflische Machenschaft ihren Höhepunkt erreichte. Dann sagt der Herr, dass Jerusalem von den Heiden zertreten wird. In derselben Perspektive heißt es im Buch der Offenbarung, «sie [die Heiden] zertreten die heilige Stadt, zweiundvierzig Monate lang» (Offb 11,2). Der Herr hat uns viele eschatologische Worte hinterlassen, um uns zu warnen:
«Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.» {Lk21, 1719)
«Wenn ihr aber seht, dass Jerusalem von einem Heer eingeschlossen wird, dann könnt ihr daran erkennen, dass die Stadt bald verwüstet wird» (Lk 21, 20).
Diese Worte Jesu haben im Laufe der Zeiten einen bestimmten historischen Widerhall gefunden, z.B. bei der Besetzung und Zerstörung von Jerusalem durch Titus im Jahre 70. Hier richtet sich die Perspektive
und die weitere Rede Jesu ganz deutlich auf die Endzeit, auf die Erfüllung der Zeiten. Nun, was will Jesus sagen, wenn er davon spricht, dass sich «die Zeiten der Heiden erfüllen» (plerothosin kairoi ethnon, griech.)? In dem Kontext, in dem das Wort «ethnon» verwendet wird, ist es angemessener, es mit «Heiden» als mit «Nationen» zu übersetzen. Biblisch gesehen bezeichnet der Ausdruck «ethne» die NichtJuden, die NichtChristen, die Ungläubigen, die Götzendiener... Wenn Jesus die Erfüllung der Zeit der Heiden ankündigt, so tut er das, um zu enthüllen, dass danach die Zeit der Gläu­bigen kommt. Es ist ein Mysterium, das sich enthüllt. Hier ist keine andere Interpre­tation möglich. Der hl. Paulus gab später eine zusätzliche Erklärung, als er ankündigte, dass ganz Israel gerettet wird, nachdem die Heiden in voller Zahl das Heil erlangt haben (vgl. Rom 11, 1132), denn Gott will allen Menschen in der Zeit der Gnade Barmherzigkeit erweisen.
So mahnt Gott die Menschen, damit sie sich bekehren, zu ihm durch liebendes Gebet, durch Glauben und in Treue gegenüber seinen Geboten zurückkehren — wir wissen es. Das Gebet ist die Wurzel, der «Saft» des Glaubens. Ohne das Gebet gibt es kein geistliches Leben, das seinem
Wesen nach Leben im Heiligen Geist ist. Um in Ihm zu leben, muss man durch Gebet, Einsicht, Offenheit des Herzens und ein Leben, das mit Seinem Liebeswillen übereinstimmt, beständig mit Ihm verbunden sein.
 
Das Ende des heidnischen Systems
Die Welt befindet sich heute in einer furchtbaren Krise, die sich bis zu ihrem Höhepunkt und der totalen Niederlage von Gottes Feinden steigern wird. Es ist eine Krise zwischen Gut und Böse, eine Krise der Gerechtigkeit, des Friedens, der Wahrheit, der.. Kirche. Alle Völker der Erde sind von der Sünde, von Unzucht, Götzendienst, Begierde angesteckt... Das Böse und die Finsternis breiten sich überall aus und wir alle erlei­den die Angriffe des Teufels auf verschiedene Weisen. Wir sind in diesem Kampf gegen die Sünde und gegen das Böse in all seinen alten und neuen Formen nicht allein. Die Schulden mancher sogenannter «reichen» Länder erreichen schwindelerregende Höhen und gehen zu Lasten der vielen. Das dämonische Ge­setz des grenzenlosen Libera­lismus wird von Menschen und laxen, scheinheiligen Politikern vertreten, die zu­meist keinen Glauben haben. Dieses Phänomen führt zu verstärkter Ungleichheit; das soziale und moralische Chaos nimmt zu und bereitet den Bo­den für Intoleranz, Hass, Terrorismus, Lüge, für das Böse und das Wirken Satans, der auf hinterlistige Weise in den Seelen, die Gott ablehnen und ihn verwerfen, Gottes Platz einnimmt. Ein anderes Zeichen der Zeit, das wir in die­ser Stunde der Geschichte, in der wir leben, neu thematisieren müssen, "ist Europa. Erin­nern wir uns daran, was Papst Johannes Paul II. über dieses Thema geschrieben hat:
«Die christlichen Wurzeln sind die wichtigste Garantie für die Zukunft Europas. Kann ein Baum ohne Wurzeln leben, sich entfalten? Europa, vergiss deine Geschichte nicht!»2
Weder Europa noch andere Nationen können sich ohne Gott aufbauen. Biblisch gesehen haben einige Völker es versucht, aber es führte im­mer zu Entzweiung (Baby­lon), zu Hingabe an Götzen (vgl. Ez 16, 26; Hos 13; Offb 1719,2), zur Götzendienerei also, zu Verfolgungen, Massa­kern und Krieg. Erwähnen wir hier nur Antiochus, Epiphanus, Nebukadnezzar, usw. Sie alle verkündeten eine bessere Welt, Frieden, Si­cherheit, Achtung ohne Gott und riefen zum Glaubensabfall auf... In jüngerer Vergan­genheit hatten andere «Monster» dieselbe hochmü­tige Haltung. Sie hießen Hitler, Stalin... Nach ihrer unseligen Schreckensherrschaft ist ihr Regime gemeinsam mit ih­nen untergegangen. Diese Männer tauchten nicht zufäl­lig auf. Sie wurden von den in die Irre geleiteten Massen unterstützt. Sie waren der Endpunkt eines Prozesses, der ohne Gott, ja gegen Gott, gegen die Kirche in die Wege geleitet worden war. Seien wir daher umso vorsichtiger und wachsamer und mahnen wir vor allem unermüdlich zur Bekehrung der Herzen, des Geistes und des Lebens in Gott.
Wenn Europa und die Europäer nicht demütig zum Herrn zurückkehren, werden die Probleme immer zahlreicher. Europa und auch andere Nationen werden plötzlich niedergehen... Dann kommt der Widersacher und wird viele betören. Sie werden mit ihm ins Verderben gehen, weil sie Gott und die Liebe zur Wahrheit abgewiesen und sich für das Böse entschieden haben (vgl. 2Thess 2,11). Wir sind nun also ein wenig klüger; es ist ein Zeugnis für die Kirche, die sich ebenfalls in einer Krise befindet, und für die künftigen Generationen...
 
Dein Reich komme
Wenn wir das Vaterunser beten, sprechen wir: «Dein Reich komme». Glaube bedeutet natürlich die Über­zeugung, dass Gott unser Gebet hört und erhören kann. Das Himmelreich ist bereits in Jesus Christus mitten unter uns (vgl. Mt 12, 28; 13, 2450...). Es ist im Herzen der Christen, der treuen Gläubi­gen (vgl. Lk 12, 34; 1 Petr 3, 15). Die Kirche der Heiligen ist das Reich Gottes auf Erden.

Die Zeit des Friedens und der Liebe wird kommen: Mt 5, 5: «Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben» (vgl. ps 37, 11).
Ja! Nach der Zeit der Heiden, die ihrem Ende entgegengeht, nach dem siegreichen, eschatologischen Kampf des Herrn der Herren, den Jesus Christus, das Wort Gottes, gegen das Tier und diejenigen führt, die ihm gefolgt sind, wird jene wundervolle Zeit kommen, in der Gott in den Herzen und in der Welt herrschen wird (vgl. Offb 19, 1120, 6).

In seinem Schreiben über Europa schloss Papst Johannes Paul II. mit einem Gebet an Maria, die Königin des Friedens. Mit dieser Anrufung «Friedenskönigin» bekannte er seinen Glauben an die Erscheinungen der Friedenskönigin in Medjugorje. Heute lädt er uns und die ganze Kirche vom Himmel aus ein, auf ihre Bot­schaften zu hören und damit ihre Erscheinungen, die eine unermessliche Gnade für die Kirche und die Welt sind, an­zuerkennen. Wer auf Maria hört, hat die Gewissheit, auf dem Weg des Friedens, der Versöhnung, des ewigen Heils zu gehen.

Jungfrau Maria, du wurdest von Gott in diese Zeit gesandt, schürze alle deine Kinder, die sich an dich wenden, mit deinem mütterlichen Mantel. Bitte für uns alle bei Gott. Geleite uns in jene Zeit, in der die Menschen in Gottes Liebe leben werden. Führe deine Kinder zur himmlischen Heimat.
 
Jacques MAGNAN
 
Anmerkungen:
1.  Die Königin des Friedens sagt in Medjugorje, dass nach dem sicht­baren Zeichen, das der Welt gege­ben wird (das dritte von zehn Ge­heimnissen), alle Menschen wissen werden, dass Gott existiert. Dieses universelle Wissen um die Existenz Gottes wird vieles ändern.
2. In Ecclesia in Europa warnt Papst Johannes Paul II. mehrfach vor ei­nem Abdriften Europas, das nicht mehr auf Gott baut.