Mit Dr. Herbert Madinger am 19. April 2005 in Wien

Gott fragt mich in Medjugorje

Herr Madinger, wie haben Sie vor Jahren selbst Medjugorje erlebt?

Das wichtigste Erlebnis in Medjugorje war für mich ein Augenblick der Begegnung mit der Seherin Marija Pavlovic. Ich war damals mit einer Gruppe aus Wien in Medjugorje. Sie hatten mich mitgenom­men und wollten mir eine Freude berei­ten, besonders als sie mir ermöglichten, bei der Erscheinung von Marija Pavlovic anwesend zu sein. Wir waren mit der Se­herin Marija in einem kleinen Zimmer. Ich wurde aufgefordert an die Seherin Fragen zu stellen, aber ich konnte keine Fragen stellen. Alle Leute haben meistens ge­fragt, wann kommt der Herr, werde ich meine Krankheiten los,... Aber ich konnte nichts fragen. Und das ist bis heute so. Ich hatte in Medjugorje keine einzige Fra­ge, ich habe damals gewusst, nicht ich frage, sondern Gott fragt mich in Medjugorje. Ich habe diese Frage Gottes an mich so stark gespürt, dass ich mich für unfähig hielt, auch nur eine einzige zu stellen.

In Medjugorje habe ich gespürt, dass der Herr mich fragt, ob ich fähig bin Ihm Antwort zu geben, ob ich fähig bin Ihn aufzunehmen, ob ich fähig bin, Ihn zu empfangen. Und diese Frage Gottes ist das wichtigste in meinem Leben. Eine Frage, die ich bis heute beantworten kann, "Herr ich will und hilf mir dabei". Er kommt in einer unermesslichen Weite, der niemand gewachsen ist und Er kommt, damit wir Ihn aufnehmen.

Meine Antwort auf die Frage des Herrn lautet Er wird mich verwandeln! Dadurch werde ich fähig sein, Ihn aufzunehmen. Das ist jetzt die Aufgabe in dieser irdischen Zeit, sich vom Herrn verwandeln zu lassen. Und dies ist mein Erlebnis in Medjugorje bis heute. Diese Verwandlung spüre ich immer stärker.

Papst Johannes Paul II. hat einige Male gesagt, "Medjugorje ist die Fortsetzung von Fatima". Wenn dies so ist, wie sehen Sie die Aufgabe von Medjugorje für die Zukunft der Welt?

In Medjugorje hat die Muttergottes ganz ausdrücklich gesagt, dass sie hier Fatima fortsetzt. In Fatima hat die Mutter­gottes drei Geheimnisse gegeben, in Medjugorje hat sie zehn Geheimnisse gegeben und in diesen Geheimnissen spricht sie über die Kirche und über die Zukunft der Welt. Mir scheint, als hätte die Muttergottes fast umsonst geredet. Sie sagt uns etwas, was wir in der ganzen Tiefe und Weite noch nicht begreifen können, etwas vom Wichtigsten, etwas was dem Herzen Gottes so nahe ist und für uns unbegreiflich ist. Wir müssen uns um die Geheim­nisse von Medjugorje viel mehr kümmern. Wenn die zehn Geheimnisse verwirklicht sind, wird die Macht des Satans zerbrochen sein, dann kommt eine Zeit, die wird wie das Paradies sein mit einer blühenden Kirche. Der Satan hat keine Macht mehr, um uns zu verführen und die falschen Propheten können uns nicht mehr auf Irrwege leiten. Diese Geheim­nisse sollte man verkünden, die Erde braucht eine Reinigung und auf diese müssen wir uns vorbereiten. Wir müssen mitwirken an diesen zehn Geheimnissen, damit diese Zukunft gelingt. Und dies ist die Aufgabe der Muttergottes, dass wir mitwirken an dem eigentlichen Ziel, dass wir uns als Miterlöser sehen dürfen, und dass auch wir dieses Kommen des Herrn in unserem Leben verwirklichen.

Heuer haben wir das Jahr der Eucharistie, wie erleben Sie als Priester das Mysterium der heili­gen Messe?

Ich möchte hier zwei Beispiele als Ant­wort geben: Don Bosco sagte: Die Kraft und der Segen für die kommende Zeit wird von unserer innigen Zusammenar­beit mit der Muttergottes und unserer engen Verbundenheit mit der heiligen Eu­charistie abhängen. Das Bild von den zwei Säulen ist in seiner Vision geschil­dert, er fährt zwischen den zwei Säulen in den Hafen hinein und wird dort gerettet; die Muttergottes und die Eucharistie sind der Weg zur Bewältigung. Das war seine Antwort.

Ich will aber eine weitere Antwort geben: Wie kann man die Messe so erleben, dass man dabei vor lauter Liebe beinahe verrückt wird, von der Größe Gottes, wie kann man das machen? Entweder so wie Pater Rio, der für seine Heilige Messe fünf Stunden brauchte. Wenn man verstehen will, worum es geht, braucht man für das Zelebrieren viel länger als ei­ne Messe heute dauert. Bei einer Heili­gen Messe mit Pater Pio konnte man das erleben. Pater Pio war ein Heiliger!

Sie sind seit Jahren Leiter der Glaubensinformation der Erzdiözese Wien, können sie unseren Lesern über Ihre langjährige Arbeit berichten?

Der gegenwärtige Gang der Geschich­te gleicht einem Stein, der in seinem Fal­len immer schneller wird. Innerhalb von ein paar Jahren gibt es so viele Ereignisse, wie früher nicht einmal in einem Jahrhundert. Auch innerhalb der Kirche und der Glaubensgemeinschaft habe ich dies sehr stark erlebt. Ich bin auch in der Ge­fangenschaft zum Glauben gekommen und die Worte des Evangeliums waren für mich eine leuchtende Strasse. Ich habe viele wunderbare Dinge erlebt und bin zu einem sehr tiefen Glauben innerhalb einer Stunde gekommen und seither war ich jeden Tag bei der Heiligen Messe und bei der Kommunion.

Ich habe erlebt, wie innerhalb kürzester Zeit eine Revolution begonnen hat, auch innerhalb der Kirche. Der damalige Papst des Konzils Paul VI. sagte, der Qualm der Hölle ist eingedrungen, sogar in die Kirche und es hatte sich soviel ereignet, dass er von der Selbstzerstörung der Kir­che gesprochen hat.

Es waren aber auch sehr positive Bot­schaften. Eine dieser Botschaften hat gelautet: "Wir müssen das Evangelium wie­der leben und wir brauchen eine Überset­zung, die jede Familie hat." Das begeisterte uns alle.

Wir haben gleich 50.000 Evangelien bestellt, und diese gratis verschickt. Es waren wunderbare Dinge. Der Papst sag­te auch, dass er erfreut ist, was in der Kir­che geschieht. Nach dem Konzil kamen die Jahre der so genannten Kulturrevolu­tion 19681973, die Frankfurter Schule und was es damals so gegeben hat: die 10 Gebote weg, der persönliche Gott weg, der Himmel weg, das Wort Gottes weg, Sünde weg. Es war die Zeit der großen Revolte; jeder wollte sich selbst verwirklichen. Die Herzen waren emp­fänglich, aber die falschen Propheten ha­ben sich sprunghaft vermehrt. In einer Gnadenstunde ist jemand zu mir gekom­men und sagte, er möchte für das Reich Gottes etwas tun. So hat es damals an­gefangen. Innerhalb einer kurzen Zeit ha­ben wir 70.000 Glaubensbriefe ver­schickt. Bald waren es schon 200.000 Briefleser. Das alles war sehr sprunghaft, jedes Mal, wenn ein neuer Mitarbeiter ge­kommen ist, blühte ein neuer Zweig auf. Es waren wunderbare Zeiten. Seit nun­mehr 40 Jahren machen wir dieses Schriftenapostolat. Jeden Tag erleben wir die Gnade Gottes.

Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren in der Kirchenbewegung verändert?

Eine der Hauptaufgaben der Glauben­sinformation hat zwei Jahre nach den Briefen und nach den Plakaten begon­nen. Damals war es wie ein starker Anruf Gottes, dass diese Glaubensbriefe, die wir an die vielen Briefleser verschickten, erst dann wirklich wahr werden konnten, wenn sie auch gelebt werden. Es genügt nicht, dass man nur etwas schreibt; der Geist macht lebendig, es gibt Menschen, die das wirklich leben wollen. Damals be­gann die "Jüngergemeinschaft". Das zen­trale Ziel war: "Wir sprechen zu den Men­schen im Entscheidungsalter zwischen 18 und 30 Jahren". In diesem Lebensab­schnitt wird die Glaubensrichtung ent­schieden.

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