Gott tröstet Sein Volk.

 

Die „Offenbarung des Johannes" ist das große Trost-Buch in allen Drangsalen der Kirche geworden. Was wird uns in diesem letzten Buch des Neuen Testaments „geoffenbart"? Was wird uns „enthüllt"? Vor den Augen des Lesers und Beters enthüllt sich die glühen­de Liebe Gottes zu Seinem Volk! Die ganze Offen­barung des Johannes will uns vom Anfang bis zum letzten Wort sagen: Gott verläßt Sein Volk nicht! Er ist der Treue! »Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut."1 Das ist der Beginn jenes großen Trostes, den uns dieses letzte Buch der Bibel für unsere Tage sagen will. Gott tröstet Sein Volk mit der Güte eines Hirten2, mit der Zärtlichkeit eines Vaters und mit der glühenden Liebe eines Bräutigams, eines Gemahls. So hat es Gott schon im Alten Testa­ment angekündigt:

„Dein Schöpfer ist dein Gemahl!

Der Heilige Israels ist dein Erlöser.

Ja, der Herr hat dich gerufen als verlassene,

bekümmerte Frau.

Kann man denn die Frau verstoßen,

die man in der Jugend geliebt hat? So spricht Gott.

Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen,

doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.

Meine Huld wird nie von dir weichen

und der Bund des Friedens wird nicht wanken."3

Im Neuen Testament wird uns dieses Kommen Gottes zu Seinem Volk noch deutlicher geschildert. Gott selber tröstet Sein Volk. Er kommt zu uns als der endgül­tige Trost. Jesus Christus ist der Tröster der Betrübten. Er ist der „Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unse­rer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind. Und zwar mit dem Trost» mit dem auch wir von Gott getröstet werden."4 In der „Offen­barung des Johannes" wird all das Leiden gezeigt, durch das wir Anteil haben am sühnenden Leidensweg Christi. Aber gerade wegen unserer Gemeinschaft mit Seinen Leiden haben wir auch Anteil an Seinem Trost: „Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch über­reicher Trost zuteil."5

Worin besteht eigentlich jener große Trost, den wir Christen in dieser Zeit der Bedrängnisse von Gott empfangen? Freund, der eigentliche und wesentliche Trost ist Gott seiher, der zu uns kommt! Er selber kommt zu uns und tritt ein in unsere Herzen. Er selber gibt uns Seinen Geist, Seine Gegenwart, Seine Liebe. Das ist der tiefste Grund, warum unser Innerstes getröstet und erfreut wird: Gott ist bei uns! Er ist die Liebe. Und diese Liebe Gottes ist spürbar, wirksam und nahe, so wie die Liebe des Bräutigams spürbar und nahe ist.

Deswegen schließt die Offenbarung des Johannes mit dieser großen Verheißung: „Ja, ich komme bald!"6 Es ist das Kommen des Bräutigams zu Seiner Braut! Es ist gas Kommen der Liebe zum Geliebten! Es ist das Kommen Gottes zu Seinem Volk! Er hat uns nie ver-8e$sen. Er hat nie aufgehört, an uns zu denken. Er will für immer bei uns sein und bleiben und m der Mitte Seines Volkes wohnen:

„Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen!

Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein.

Und er, Gott, wird bei ihnen sein."7

Der Höhepunkt dieser „Offenbarung des Johannes" ist die „Enthüllung" (Apokalypse) jener Liebe Gottes, der uns mit der glühenden Liebe des Bräutigams liebt! Die ganze Geschichte des Gottesvolkes drängt auf die Vollendung der Liebe zwischen Gott und Seinem Volk hin: Es wird die „Hochzeit des Lammes" sein! Das „Hochzeitsmahl"3, bei dem unser Bund mit Gott für immer besiegelt wird und nie mehr zerbrechen kann: „Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingela­den ist!"9

Freund, das ist die große Liebe Gottes, die Dir gilt: Jesus Christus selber ist der Bräutigam, der um Dich „wirbt" und um Dein Herz „wirbt", so wie ein Bräutigam um das Herz seiner geliebten Braut wirbt. Diese Braut-Werbung Gottes ist der tiefste Sinn Deiner ganzen Lebens- und Leidens-Geschichte. In all den unbegreiflichen Ereignissen und Bedrängnissen Deines Lebens will Dir Gott immer nur das eine und einzige offenbaren: daß eine große Liebe auf Dich war­tet! Und daß Du ohne diese große Liebe Gottes nicht leben kannst, nicht bleiben kannst, nicht die Ewigkeit erreichen kannst! Ja, noch mehr: Schon in dieser irdi­schen Zeit brauchst Du diesen unaufhörlichen Wärmestrom Gottes, Seinen Strom der Liebe und des Lebens, Seine Lebenskraft und Gegenwart. Denn Er allein ist jenes Leben und jene Liebe, die Du zuinnerst ersehnst. Alles andere verwelkt und vergeht. Er allein bleibt für immer. Er ist „der Treue"'0.

Freund, kannst Du das glauben, daß Gott Dich liebt, so wie ein Bräutigam die Braut liebt? Kannst Du begreifen, daß diese Liebe Gottes Deine Zuwendung braucht und eine Zeit, die nur der Liebe gehört? Braucht nicht jede Liebe diese Zeit füreinander? Wer lieben gelernt hat, der kann den anderen nicht mehr mit ein paar flüchtigen Worten oder Gedanken abspei­sen. Liebe braucht Zeiten der Stille und des Mit­einander. Liebe braucht Zuwendung und ein liebendes Ohr zum Hören. Liebe braucht das offene Auge für die Wünsche des anderen. Liebe braucht das Miteinander und die Treue in guten und bösen Tagen. Freund, gönn Dir diese stillen Zeiten mit dem Herrn! Er redet zu Deinem Herzen. Erst nach langen Zeiten kommt Dein Innerstes zur Ruhe und vermag zu hören, was Er Dir sagt: „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich. Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus."'1

Das ist die Botschaft der Bibel, die Botschaft der »Offenbarung" und die Kern-Botschaft Gottes an Dein Herz: „Gott liebt Dich!" Er tröstet Dich in all Meiner Not! Dann wirst auch Du die anderen Menschen trösten können: „ Tröstet also einander!

Schrifstellen:


1 Offb 1,5    2  Ps 23,4   3 Jes  54,3-10   4  2Kor 2,3   5 2 Kor 1.5     6  Offb 22,20    7  Offb 21,3      8  Offb 19, 7-9

9  Offb 19,9    10  Offb  19,15   



 

 

Das machtvolle Hervortreten Mariens, tröstet in der Endzeit


Das war der lebendige Glaube der ersten Christen­gemeinden: Jesus wird wiederkommen! Mit glühen­dem Herzen haben sie um diese baldige Wiederkunft gebetet: „Maräna tha!" „Unser Herr, komm!"1 Dieser Sehnsuchtsruf war so innig und so weit verbreitet, daß er uns noch in der aramäischen Sprache Christi erhal­ten ist. So haben die ersten Christen gebetet: „Komm, Herr Jesus!"2 Und sie wußten um die Antwort des Herrn: „Ja, ich komme bald."2

Warum haben die ersten Gemeinden eine so glühende Sehnsucht nach dieser Wiederkunft des Herrn gehabt? Weil sie wußten: Bei Seiner Wiederkunft wird der Herr nicht mehr in der Gestalt eines Sklaven kommen, son­dern in Macht und Herrlichkeit. Von dieser neuen Herrlichkeit haben sie in Hymnen beim Gottesdienst gesungen:

Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,

sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave...

Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,

bis zum Tod am Kreuz.  Darum hat ihn Got-t erhöht über alle

und hat ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen: „Jesus Christus ist der Herr!"^


Bei Seiner Wiederkunft wird Jesus den Namen tragen; „Der Treue und Wahrhaftige". Auf Seinem Gewand steht der Name: „Das Wort Gottes"*'. Er trägt mit Recht jene Namen, die schon im Alten Bund verheißen sind: „König der Könige und Herr der Herren"0. Aber alle diese Namen können Sein wahres Wesen nicht be­schreiben. Denn Er trägt einen Namen, „den er allein kennt"7\ Denn Er ist der Sohn Gottes: „Niemand kennt den Sohn, nur der Vater!"*

Jesus wird wiederkommen in Macht und Herrlichkeit! So haben die Christen es in ihrer Liturgie jeden Sonn­tag bekannt und gebetet. Er kommt als Sieger über alle Mächte und Gewalten. Niemand mehr wird sich Ihm entgegenstellen. Denn Er ist der Herr, Ihm muß alles unterworfen werden, damit offenkundig wird, wer Er ist und wer die Geschöpfe sind. Durch Ihn sind sie alle geschaffen worden. Und auf Ihn hin sind sie ins Leben und Dasein gerufen worden.

Jesus ist untrennbar mit Seiner Mutter verbunden. Seit Er als Kind in ihr gewohnt hat, blieben ihre Herzen eins. So wie Jesus mit dem Vater eins ist in der Kraft des Heiligen Geistes, so ist Jesus ganz eins mit Maria, Seiner Mutter. So wie Jesus ständig im Vater lebt und der Vater in Ihm lebt, so lebt Jesus auch ständig in Maria. Und sie lebt ständig in Christus, ihrem Sohn. Es ist ein Abbild jener unsagbaren Einheit, die im Drei-einigen Gott ist, Vater, Sohn und Geist.


Bei Seiner Wiederkunft wird Jesus als König der Könige wiederkommen. Auch Seine Mutter wird nicht mehr als Niedrigkeit der Magd zeigen, sondern wird an der Seite des Herrn aller Herren stehen. Auch Maria wird ;n Macht und Herrlichkeit kommen! Alle werden sie erkennen als die Königin der Liebe, als Königin des Friedens, als Mutter des Herrn, als Gottes-Mutter!

$0 wie Maria dem Herrn vorangegangen ist und Ihm erst den Weg in die Welt gebahnt hat, so wird Maria auch bei der zweiten Ankunft Christi Ihm vorausge­hen! Sie wird als Gottes-Mutter hervortreten! Sie wird den Glauben an die Gottheit Christi in den ärgsten Zeiten des Abfalls in den Herzen der Christen bewahren.

Wir brauchen heute nicht mehr zu rätseln, wie das geschehen wird. Denn wir erleben vor unseren eigenen Augen ein machtvolles Hervortreten der Mutter des Herrn! So lange wurde sie angekündigt, jetzt ist sie da. Sie bringt unzählige Millionen Pilger auf den Weg. Überall wird von ihren Erscheinungen und Offen­barungen gesprochen. Sie verbreitet den Frieden! Die Pilger bemerken das. Sie empfangen einen Frieden aus dem Himmel! Deswegen beginnen sie zu beten. Sie wollen diesen Frieden im Herzen bewahren, immer wieder finden und an ihre Lieben weiterschenken. Sie strömen zu allen Wallfahrts-O rten, die von einzigarti­gen Gnaden erfüllt sind. Bei manchen Erscheinungs­orten berichten Pilger von den Tränen der Mutter­gottes. Sie weint über ihre Kinder.

Pas machtvolle Hervortreten Mariens in der Endzeit lst von starken Gnadenzeichen begleitet: Es beginnen in unserer Zeit neue Bewegungen und religiöse Ge­rn einschalten. Sie alle sind getroffen und zutiefst im Herzen berührt von der offenkundigen Gegenwart des Himmels. Die Pilger sind erfüllt von einer solch star­ken Gnade des Gebetes, daß Tausende von Gebets­gruppen entstehen. Die Früchte zeigen sich, von denen Jesus gesprochen hat: „Der gute Baum bringt gute Früchte hervor." Daran werdet ihr die wahren Prophe­ten von den falschen unterscheiden können! Das stärk­ste Kennzeichen der Gnade ist der große Glaubensmut! Es ist die Kraft der Hoffnung und der Glaubens­gewißheit! „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!" Der Himmel wird stärker sein als alle Mächte der Zerstörung. Die Gnade wird siegen. Es wird der Triumph der Barmherzigkeit Gottes sein. Auch wenn es eine Läuterung braucht, eine Reinigung von allem, was die Sonne am Leuchten noch hindern will.

Muttergottes, ich danke Dir, daß Du in dieser Zeit des Abfalls

den Glauben an den Sohn Gottes so machtvoll verkündest.

Bewahre uns in der Kraft des Glaubens!

Schriftstellen:

 

(1)1 Kor 16, 22 (5) Offb 19, 13

(2) Ottb 22, 20

(6) Offb 19, 16

 

 

Das Magnifikat der Endzeit


Die Mutter-Gottes ist das Urbild der Christenheit, Tjrbild der Kirche. Sie war die erste, die „geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ"1. Sie war die erste, die die Worte Jesu in ihrem Herzen gläubig bewahrte. Sie war auch die erste, die am erlösenden Leiden unseres Herrn Jesus zuinnerst Anteil bekom­men hat: „Dir aber wird ein Schwert durch die Seele dringen."2 Unter dem Kreuz von Golgota stand Maria aufrecht, als Mutter der Schmerzen, zu Füßen des Gekreuzigten. Damals wurde sie „Mutter der Kirche", Mutter aller Christ-Gläubigen: „Frau, siehe, dein Sohn!"


Maria ist die Mutter-Gottes, Mutter Jesu Christi, Mutter Seiner „ersten Ankunft". Sie ist aber zugleich auch „Mutter der zweiten Ankunft", Mutter der Wiederkunft Christi. Denn alles, was sich an der Kirche des Anfangs im „ersten Advent" ereignet hat, wird sich im „zweiten Advent" im Vollsinn ereignen. Wenn wir begreifen, was bei der Geburt Christi geschehen ist, wird uns bewußt, was bei der zweiten „Ankunft Christi" geschehen wird. Es wird die „Wiederkunft des Herrn" sein. Seine Wiederkunft „in Macht und Herrlichkeit", so wie das die Kirche in der heiligen Messe nach der heiligen Wandlung ausspricht: »Wir erwarten Seine Wiederkunft!"

was ist bei der „ersten Ankunft" unseres Herrn Jesus Christus geschehen? Was war das große Zeichen Seiner Ankunft? Was wird also das große „Zeichen" bei Seiner Wiederkunft sein? Das erste Kommen Christi in diese Welt war gänzlich vom Heiligen Geist geprägt, begon­nen und bewirkt: „Der Heilige Geist wird über dich kommen! Die Kraft des Höchsten wird dich über­schatten!"4 Die Muttergottes hat den Herrn Jesus Christus empfangen durch den Heiligen Geist! Es war ein Wunder von Anbeginn an. Und auch die zweite Ankunft unseres Herrn Jesus Christus wird ein Wunder von Anbeginn sein! Auch die Kirche der Endzeit wird das gleiche erleben wie Maria: „Der Heilige Geist wird über dich kommen!" Die tief gebeugte, verfolgte Kirche der Endzeit, die nur geringe Kraft besitzt, wird so wie Maria die Kraft des Allerhöchsten erleben: „Die Kraft des Höchsten wird dich überschatten."4

Der Heilige Geist war der Lebensquell der „ersten Ankunft": „Der Heilige Geist wird über dich kom­men." Der Heilige Geist wird auch die Lebens-Kraft sein, die bei der zweiten Ankunft unseres Herrn Jesus die Kirche prägen und zuinnerst stärken wird mit der „Kraft des Höchsten"4.

Freund, es ist so wichtig, daß Du das erkennst: Die Wiederkunft Christi ist zutiefst geprägt von dieser „Kraft des Heiligen Geistes"! Er selber wird die Kirche der Endzeit — und das ist heute - mehr und mehr erfül­len. Denn auch die Mutter des Herrn - das Urbild der Kirche - war gänzlich von dieser Freude des Heiligen Geistes erfüllt. Maria war schweigsam, nur wenige Worte sind aus jener Zeit des „ersten Advent" von ihr überliefert. Aber sie war gänzlich „erfüllt vom Heiligen Geist", vom Geist der Anbetung, der Gottes-Freude, der Liebe zu Jesus, der unter ihrem Herzen heranwuchs. Dieses „Erfülltsein vom Heiligen Geist" hat sich geof­fenbart, als Maria zu ihrer Verwandten Elisabet ging, um ihr bei ihrer Niederkunft beizustehen. Durch den bloßen  Besuch  bei   Elisabet  wurde   „Elisabet  vom Heiligen Geist erfüllt" und sie sprach ein prophetisches Wort: „Die Mutter meines Herrn kommt zu mir!"5 Dieses Wort war ein prophetisches Erkennen, denn nie­mand wußte bis dahin, daß Maria die Mutter-Gottes war und den Sohn Gottes unter ihrem Herzen trug! So wird auch in der Kirche der Endzeit das prophetische Erkennen und das prophetische Wort mächtig werden und  alltäglich  sein.   Gott  selber  wird  die  Herzen erleuchten und ihnen eine Erkenntnis des Verborgenen schenken: „Gesegnet ist die Frucht deines Leibes!"6

Nicht nur das prophetische Erkennen wird Zeichen der Endzeit-Kirche sein, sondern auch das wunderbare Wirken und Bewirken: Als Maria zu Elisabet kam, wurde das Kind im Schöße Elisabets geheiligt! Es war Johannes der Täufer, der Vorläufer des Herrn. Elisabet spürte diesen außerordentlichen Augenblick als Wun­der Gottes: „In dem Augenblick, als ich deinen Gruß horte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib."7

Die Kirche der Endzeit wird in Bedrängnis sein, so ähnlich wie Maria bei der Geburt Jesu. Aber sie wird eine Kirche des Magnifikat sein! Eine Kirche des

 

Gottes-Jubels und der Gott-Seligkeit. So wie Maria.

Denn als Maria sah, wie wunderbar der Herr Elisabet gesegnet hatte, wurde auch sie „vom Heiligen Geist erfüllt" und sie sprach ihr Jubel-Gebet, das „Magrüikat".

„Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan,

und sein Name ist heilig." Freund, die Kirche der Endzeit wird - von außen gese­hen - eine Kirche in Not und Bedrängnis sein. Aber zuinnerst wird diese Endzeit-Kirche so wie Maria eine große Freude und einen erhabenen Jubel im Herzen tragen. Es wird keine Zeit der Trübsinnigen sein, son­dern eine Lobpreis-Zeit: „Meine Seele preist die Größe des Herrn! Mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter!"

In der Endzeit wird „das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen"8. Aber zuvor wird dieses „Zeichen des Menschensohnes" in den Herzen der Gläubigen erscheinen! Sie werden Ihn in ihrem Herzen vor Augen haben, so wie Maria Ihn vor Augen hatte. Sie trug Ihn unter ihrem Herzen; als den Emmanuel, als Gott-mit-uns. Als Gegenwart Gottes. Und diese Gegenwart Gottes war so stark, daß sie zum Lobpteis wurde, zum Gottes-Jubel, zur großen Danksagung! Gott selber ist bei uns: „Was kann uns dann noch scheiden von der Liebe Christi? Weder Tod noch die Machthaber dieser Welt!"9 Nichts kann uns mehr tren­nen von der Liebe Christi, unseres Erlösers! Das ist der Jubel-Gesang der Erlösten, der in der Endzeit-Kirche beginnt und nie mehr erlischt.

 

 

 

Die Läuterung der Gemeinden in der Endzeit

 

Die große Vision über die Endzeit hat Jesus Seinem LiebÜngs-Apostel anvertraut: Johannes, dem „Jünger, den Jesus liebte"1. „Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird?"2 Johannes war auch jener Jünger, der in der Todes-Stunde Jesu das durchbohrte Herz des Herrn erkannt hatte in seiner tiefsten Bedeutung: Von nun an sollte dieses Herz allen offenstehen, die in Drangsal und Todesängsten Zuflucht suchen beim Erlöser und Erretter ihres Lebens: „Durch Sein Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden."

Nur dieser Liebhngs-Apostel war imstande, die große Liebe Christi zu begreifen und zu verkünden, die Jesus gerade in der Endzeit Seinen Gemeinden entgegen­bringt, um sie zu reinigen und sie Seiner strahlenden Gestalt ähnlich zu machen. Endzeit ist nicht Schreckenszeit, nicht Angst und Bedrohung, sondern Zeit der größten Liebe Christi. Er kommt in dieser Endzeit zu Seinen „Sieben Gemeinden"3, die ein Abbild aller Gemeinden auf Erden darstellen. Jede die­ser Gemeinden ist ein „Typus", der zu allen Zeiten der Kirchengeschichte auftritt, aber zugleich „typisch" ist für je eine besondere Epoche der Kirchengeschichte.

Die erste Gemeinde, zu der Jesus in dieser Vision spricht, ist Ephesus. Sie ist jene Gemeinde, in der der Apostel Paulus machtvoll und jahrelang gewirkt hatte. $ie ist das Urbild der „apostolischen Gemeinde", die bis zum Tod des letzten Apostels reichte. Jesus wendet dieser Gemeinde Sein ganzes Herz zu, denn sie hat „ausgeharrt und um seines Namens willen Schweres ertragen"4. Aber schon hier zeigt sich ein Kernproblem der Christenheit: Die „zweite Generation" der Glau­benden hatte nicht mehr die Glut der Väter und Müt­ter, die mit ungeteiltem Herzen ganz Christus ange­hört hatten! Die „zweite Generation" hat den Glauben empfangen, aber nicht mehr selber erworben. Zu die­ser zweiten Generation sagt Jesus: „Ich werfe dir vor, daß du deine erste Liebe verlassen hast! Bedenke, aus welcher Höhe du gefallen bist. Kehr zurück zu deinen ersten Werken!"5 Das gehört zum Wesen der Endzeit-Reinigung:   Im   läuternden  Feuer  der  Bedrängnisse müssen sich die Christen entscheiden, ob sie noch ein­mal,  so wie die erste Generation,  mit ungeteiltem Herzen dem Herrn gehören wollen! Wer diese unge­teilte Hingabe verweigert, dessen Flamme erlischt, der „Leuchter wird weggerückt"6. Endzeit ist die Nähe des läuternden Feuers Seiner Liebe: „Kehr zurück zu dei­ner ersten Liebe." - Überall in der Christenheit gibt es heute dieses Kernproblem: Die Söhne und Töchter sind zwar Christen, aber ihnen fehlt das Feuer der Erst-Bekehrten!

Die zweite Gemeinde, zu der Jesus Seine endzeitliche Botschaft spricht, ist Smyrna: die Gemeinde unter römischer Verfolgung. Sie ist der Typus und das chrakteristische Symbol für die Periode der Christen-Verfolgung durch alle Jahrhunderte hindurch. Von allen Seiten wurde diese Gemeinde in die Enge getrie­ben: von der römischen Staatsmacht und von jenen, die sich als das eigentliche „auserwählte Volk Gottes" betrachteten, es aber in Wirklichkeit nicht waren. Es war eine bekennende, missionarische Gemeinde, die ganz offen das „Siegel auf ihrer Stirn"^ trug: das Kreuz Christi! Deswegen hat diese Gemeinde trotz aller Armut und Bedrängnis, trotz Gefängnis und Leiden tapfer ausgeharrt. Sie war ohne Tadel! Nur noch eine einzige andere Gemeinde hat von Jesus keinen Tadel erfahren: Philadelphia. Auch sie war missionarisch. Wo Bekenntnis und Verkündigung ist, dort wächst der Glaube! Wer seinen Glauben bekennt, zu dem wird Sich auch Jesus bekennen! Der Glaube in uns wird groß, indem wir ihn anderen verkünden! Gerade in der Endzeit werden jene Gemeinden, die mutig das Evangelium verkünden, „ohne Tadel'' vor Christus dastehen! „Sei treu bis in den Tod! Dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben."8 Das ist die Verheißung des Herrn an alle missionarischen Gemeinden der Endzeit.

In der dritten Gemeinde - Pergamon — hatte schon jener Prozeß keimhaft begonnen, der sich im Laufe der Endzeit-Geschichte bis zur „großen Hure"y entfaltet hat: die Vermischung der christlichen Gemeinde mit der heidnischen Umgebung und ihrem heidnischen Götzendienst. Diese Untreue gegenüber dem „Bräutigam" Christus10 wird in der Bibel unter dem Bild der „Unzucht" dargestellt. Eine Gemeinde, die

 

sich dem Götzendienst öffnet und ihn zuläßt, wird als Dirne"   bezeichnet.   Am   Ende   dieser  Entwicklung steht jener große Abfall zum Heidentum, der aus der großen Stadt"11 ein „Babylon" gemacht hat: „Babylon, die Große, die Mutter der Huren und aller Abscheu-lichkeiten der Erde." - Pergamon war Hauptstadt der römischen   Provinz Asien,   Mittelpunkt  des  Kaiser-Kultes, bei dem der Kaiser als „Gott" verehrt worden ist. Diese Verbindung zwischen Christentum und poli­tischem Kaiser-Kult war die große Versuchung. Es war wie „die Lehre Büeams"12, der die Israeliten dazu ver­führt hatte, sich mit heidnischen Frauen zu vermischen und   ihren   Götzendienst   mitzumachen.   Deswegen diese Warnung des Herrn an die Gemeinde: „Ich habe etwas   gegen   dich!"12   Jesus   drängt   darauf,   den Götzendienst zu beenden und nicht mehr „Unzucht zu treiben"12.  Es  ist  in  erster Linie  eine  geistliche „Unzucht" und ein geistlicher „Ehebruch" gegen den „Bräutigam   der   Kirche",  Jesus   Christus.   - -   Diese Versuchung   zur   Vermischung   von   christlichem Glauben und heidnischem Denken („Götzendienst") hat später die ganze Kirchengeschichte durchzogen. Bis  heute.   Der   Staat   läßt   die   Kirche   nur  dann gewähren, wenn sie seinen jeweiligen „Götzendienst" gutheißt und  seine heidnischen Ideale in  ihr Pro­gramm aufnimmt.

In der Endzeit drängt Jesus darauf, dieser Vermischung von „Götzendienst" und christlichem Glauben zu widerstehen: „Kehr nun um! Sonst komme ich bald."i; Die Endzeit drängt auf die „Treue der Braut" zum geliebten Bräutigam Jesus Christus. „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!"'4

Wer sich von den heidnischen Idealen einer Gott-ent-fremdeten Gesellschaft nicht rechtzeitig löst, wird in das Chaos der Endzeit mit hineingerissen. Die mäch­tigsten „Götzen" unserer Zeit heißen Geld und Wohlstand. Aber Jesus sagt heute: „Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon."15


Schriftstellen;

 

(1) Job 21, 7           (2) Joh 21, 20         (3) Offb l, 11         (4) vgl. Offb 2, 3

(5) Offb 2, 4          (6) Offb 2, 5          (7) Offb l, 3          (8) Offb 2, 10

(9)0flbl7.1        (10)Joh3,29        (H)Offb 7.18    (12) Offb 2, 14

(13) Offb 2, 16       (14) Mi 25, 6         (15) Mt 6, 24

 

 

 

„Dem Namen nach lebst du, aber du bist tot."

Jesus hat uns Christen zu einer großen, unfaßbar schö­nen Bestimmung berufen:  Er will uns jenes  „tiefe Geheimnis"1  offenbaren, das in der Liebe zwischen Christus und Seiner Kirche besteht. Diese Liebe ist der Ehe zwischen Mann und Frau ganz ähnlich^ und bleibt dennoch ein unaussprechliches und unerforschliches „Geheimnis": „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, das hat Gott denen bereitet, die ihn lie­ben."3  Es  ist  jene  unergründlich  große  Liebe,  die Christus uns bereiten will! Er hat uns berufen, Seine „Braut" zu werden und mit Ihm ganz eins zu werden bei der „Hochzeit des Lammes"4.  Das „Lamm"  ist Jesus Christus, der für uns Sein Blut gegeben hat, damit wir die Vergebung der Sünden empfangen.5 Aber wie kann es gelingen, daß wir Christen in den Drangsalen und Verführungen dieser Zeit zu dieser schönsten und vollkommenen Gestalt der Liebe gelan­gen?

Jesus läutert in der Endzeit jede Gemeinde auf eine ganz persönliche, individuelle Weise. Sogar jene Gemeinden, die am ärgsten die Liebe zu Christus „für ein Linsengericht" verraten haben, erfahren diese lie­bende Zuwendung Christi. Er will reinigen, läutern, zum Glanz und zum Leuchten bringen. Er gibt eine christliche Gemeinde auch dann nicht auf, wenn sie sich scheinbar bis ins Mark von einem falschen Liebhaber hat verführen lassen.

Im Brief an die Gemeinde von Tbyatira kommt dieser Treue-Bruch zur Sprache. Dort wirkte eine falsche Prophetin6 auf ganz ähnliche Art wie die heidnische Frau (Isebel) des israelitischen Königs Ahab. Isebel ver­führte den schwachen König und schließlich auch einen Großteil des Volkes zu einem Götzendienst: zum Baal-Kult, der regelmäßig mit Unzucht verbunden war. - In der Gemeinde von Thyatira ereignete sich ein ganz ähnlicher Abfall vom Glauben. Die Anhänger dieser falschen Prophetin rühmten sich ihrer „tieferen Erkenntnis", ihrer „Gnosis", durch die sie Erlösung und „Gottesnähe" erlangen wollten. Aber in Wahrheit waren es nicht die „Tiefen Gottes", sondern die „Tiefen des Satans"7, die sie erlebten. Das äußerte sich unter anderem an jener regelmäßigen Unzucht bei ihren Gottesdiensten, durch die sie dem Baal-Kult ähnlich wurden. - Jesus redet dieser Gemeinde ins Gewissen. Denn nicht durch „Erkenntnis" und „Gnosis" wird der Mensch gerettet, sondern durch die Gemeinschaft mit Christus, der für uns Sein Blut gege­ben hat. - Jesus kündigt dieser Gemeinde an, daß sie die bösen Folgen ihrer Treulosigkeit rasch erfahren wird: große Bedrängnis, schwere und langwierige Krankheit, und eine todbringende Seuche für jene, die in ihrer Verblendung nicht umkehren wollen.H Dieses Straf-Gericht Gottes ist wie läuterndes Feuer. Es ist die Liebe Christi, die noch rechtzeitig helfen will, ehe alles verloren ist.

Das läuternde Feuer der Endzeit will tief in das inner­ste Menschenherz eindringen. So lange, bis der Mensch wie von selber zu seinem Schöpfer und Herrn ruft: „Gott, erbarme Dich! Gott, rette mich! Gott, ich will Dir gehorchen und vertrauen." Der Kern der Umkehr besteht darin, daß der Mensch nicht mehr auf seine eigene „Gottähnlichkeit" vertraut, sondern sich der persönlichen Liebe Gottes anvertraut.

In unserer Zeit taucht diese Versuchung zur Selbst-Vergottung und Selbst-Erlösung des Menschen von neuem auf: In immer neuen Re-lnkarnationen will der Mensch sein eigenes „göttliches Wesen" zur Entfaltung bringen, bis sich der Spruch der Schlange erfüllt: „Ihr werdet sein wie Gott." - Aber Jesus läutert in unserer Zeit die Erde. Er ruft die Menschenherzen auf, die persönliche Liebe Gottes zu erkennen und sich von allen Wegen der Selbst-Vergottung und Selbst-Erlösung abzuwenden. Erst wo Gott die persönliche Liebe ist, beginnt die Erlösung, Erst wo Umkehr zu Jesus geschieht, beginnt die „Hochzeit des Lamm.es".

Auch die Gemeinde von Sardes (Kleinasien) hatte sich weit von der Liebe zu Christus entfernt. In dieser Gemeinde hat jenes Übel und Unheil begonnen, das später in den großen Staats-Kirchen allgemein wurde: Man hat die Kinder zwar getauft, aber später nicht mehr zu einem tiefgreifenden Glauben geführt! Die Heranbildung zum Glauben an Christus geschah in der Urkirche in mehreren Stufen, im sogenannten Katechumenat, Und erst im Maße ihres Christus-Glaubens wurden den Tauf-Bewerbern die Geheim­nisse Christi geoffenbart. Nur die wirklich Gläubigen

durften zum Tisch des Herrn hinzutreten. Alle anderen Tauf-Bewerber, die noch nicht zum vollen Glauben gelangt waren, mußten nach dem Wort-Gottesdienst und nach der Predigt die Kirche verlassen. In unserer Zeit wird die Notwendigkeit dieses nachgeholten Katechumenates immer deutlicher erkannt und auch wieder in die Praxis hereingeholt. In der Gemeinde von Sardes hatte offenkundig jenes Übel schon begon­nen: daß man die Kinder einfach tauft, aber später nicht mehr zum persönlichen Glauben führt! Eine Lässigkeit ohne Entschuldigung! Diese jungen Er­wachsenen waren nun „Mitglieder" der Kirche, aber sie hatten wenig oder gar keinen Glauben! So kam es, daß im Lauf der Zeit der immer größere Teil der Kirchen aus Nichtglaubenden bestand. Aus „Namens-Christen". Und genau das hält Jesus dieser Gemeinde vor: „Dem Namen nach lebst du, aber du bist tot!"9 Es sind Namens-Christen! Keine lebendigen Christen. Denn wo der Glaube fehlt, dort kann Christus nicht lebendig sein. Jesus ruft die Gemeinde auf, wach zu werden aus diesem verschlafenen Zustand: „Werde wach! Und stärke, was noch übrig ist, was schon im Sterben lag." Das ist genau jene Situation, die uns heute so sehr zu schaffen macht: Wie soll die Kirche das Leben Christi widerspiegeln, wenn die meisten zu den Nichtglaubenden gehören? Wenn sie weder an den Sohn Gottes glauben noch an das Gericht Gottes? Sie sind „Namens-Christen".

Im läuternden Feuer der End-Zeit ruft Jesus die christ­lichen Gemeinden und Gemeinschaften auf, sich zu reinigen und der Veräußerlichung abzusagen: „Dem T<famen nach lebst du, aber du bist tot." Namens-Christen können in unserer Zeit nicht mehr bestehen. Qenn die Versuchung zu heidnischen Zielen und Wegen des Lebens ist zu mächtig. Wer in unserer Zeit die Liebe Christi sucht, der muß auch den Weg Christi gemeinsam mit Ihm gehen: den „schmalen Weg"'" der Bergpredigt, der acht Seligpreisungen und des Kreuz­weges. Auf diesem Weg wird die Liebe blühen. Auf die­sem Weg wird Dir der Bräutigam Seine Liebe offen­baren: „Wer durstig ist, der komme! Wer will, empfan­ge umsonst das Wasser des Lebens!"" „Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist."12

Schriftstellen:

(l)Eph5,32      (2) Eph 5,21-33      (3) l Kor 2, 9           {4)Offbl9,7

5 loh l, 29       (6) Offb 2, 20          (7) Offb 2, 24          (8) Offb 2, 23

(9)0ftb3,l       (10) Mi 7, 14           (11) Offb 22. 17       (12) Offb 19,

 

 

„Ich werde dich bewahren vor der Stunde der Versuchung."


Wie können wir Christen uns vorbereiten auf die großen Ereignisse der Endzeit? Was sollen wir tun, um dem großen Aufruf des Herrn zu entsprechen, der zu uns gesagt hat: „Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet."1 Diese „Stunde", von der Jesus spricht, ist so überwältigend anders und von so erschreckender Dimension, daß sich kein Mensch im Vollsinn darauf „vorbereiten" kann. Denn es ist die „Stunde des Gerichtes": „Die Stunde ist gekommen, jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert."2 In dieser äußersten Stunde der Finsternis fühlte Sich sogar Jesus selber vom Vater verlassen. So wie Er werden sich in der „Stunde seines Gerichtes"3 viele verlassen fühlen, denn der Böse wird die Macht haben, sogar „die Heiligen zu besiegen"4. Ähnlich wie Jesus am Kreuz werden sie scheinbar besiegt werden.

Und doch hat Jesus Seiner geliebten Gemeinde in Philadelphia (griechisch, = „Bruder-Liebe"} einen kost­baren Rat gegeben, wie sie vor dieser „Stunde der Versuchung" bewahrt werden kann. Jesus sagt hier ganz ausdrücklich, daß es keine gewöhnliche Versuchung sein wird, sondern eine endzeitliche und daher weltweite Versuchung: „die Stunde der Ver­suchung, die über die ganze Erde kommen soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe zu stellen."5 Warum hat Jesus gerade dieser Gemeinde die kostbare Verheißung geschenkt: „Ich werde dich bewahren vor der Stunde  der Versuchung"?   Freund,  diese  Gemeinde hatte drei besondere Kennzeichen und Eigenschaften wie keine andere Gemeinde sonst. Erstens war diese Gemeinde eine missionarische Gemeinde, die zwar nur geringe Kraft, aber großen apostolischen Eifer hatte: Ich habe vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann."6 Niemand konnte das missionarische Wirken dieser Gemeinde verhindern! Und dieser Eifer in  der Verkündigung  war  wohl  der  Hauptgrund, warum Jesus dieser Gemeinde eine so einzigartige Ver­heißung gegeben hat, wie sie sonst keine andere Ge­meinde empfangen hat.

Das zweite gnadenhafte Kennzeichen dieser Gemeinde von Philadelphia war ihre große Standhaftigkeit in allen Versuchungen und Bedrängnissen der Endzeit. Sie hat­ten Gottesfurcht und „Bruderliebe". Deswegen hat sich bei ihnen „die Standhaftigkeit der Heiligen bewährt, die an den Geboten Gottes und an der Treue zu Jesus festhalten"7.

Und noch eine dritte Auszeichnung besaß diese Gemeinde von Philadelphia: Sie war ohne Tadel! Alle anderen Gemeinden wurden vom Herrn in so man­chem getadelt. Diese Gemeinde aber blieb ohne jeden Tadel! Im Gegenteil. Jesus sagte zu ihr: „Ich habe dir meine Liebe zugewandt."14 Die wunderbare Gnade die­ser Gemeinde entspringt wohl diesem besonderen, mutigen Apostolat! Aus der „Verkündigung Seines Namens" stammt die innere Kraft, „standhaft zu bleiben". Und aus dieser Bewährung und Standhaftigkeit kommt jenes Leben mit Christus, das „ohne Tadel" ist.

Wer den Glauben an Jesus Christus nicht versteckt, nicht verleugnet, sondern vor den Menschen offen bekennt, dem schenkt der Herr eine wachsende Kraft des Glaubens im eigenen Herzen! Du wirst eine große Standhaftigkeit entfalten, eine Festigkeit im Herrn. Jesus wird dann auch zu Dir so sagen wie zur Gemeinde in Philadelphia: „Du hast dich an mein Gebot gehalten, standhaft zu bleiben. Daher werde auch ich zu dir halten und dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über die ganze Erde kom­men soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe zu stellen."5

Der apostolische Eifer in der Verkündigung des Glaubens ist das Zentrum des Auftrages, den Jesus uns als Testament hinterlassen hat: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern."9 Dein Apostolat ist ein starkes Licht und ein mächtiger Trost für unzählige Menschen. Denn viele erleben heute eine Serie von schlechten Nachrichten und ausweglosen Situationen. In dieser Drangsal, Verlassenheit und Verzweiflung tröstet nur ein Einziger: Jesus Christus selber, der als Licht in die Herzen kommt und als Gegenwart Gottes die Menschen aufrichtet. Das ist mehr als Essen und Trinken, mehr als Geld und Genuß. Gott in den Herzen ist ein Licht, das alle Finsternis dieser Zeit überstrahlt. Deswegen ist jene Evangelisierung, an der Du mitwirken sollst, eine

trroße Liebes-Tat für die Menschen. Dafür wird Dich der Herr belohnen.

0er apostolische Einsatz Deines Lebens hilft nicht nur anderen, sondern Dir selber am meisten. Das erkennst Du an dieser Gemeinde von Philadelphia, der der Herr die Verheißung geschenkt hat: „Ich werde dich bewah­ren vor der Stunde der Versuchung, die über die ganze Erde kommen soll, um die Bewohner der Erde auf die Probe zu stellen." Freund, ergreif diese Verheißung!

Gott will, daß allen Menschen geholfen wird! Es geschieht durch Dich und durch die vielen, die sich Gott zur Verfügung stellen. Freund, wirke mit an jener weltweiten Evangelisierung, die der Herr in unserer Zeit begonnen hat! Denn „dieses Evangelium vom Reich wird auf der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker es hören, Dann erst kommt das Ende. "">


(1) M: 24, 44 (5) Offb 3, 10 (9) Mt 28, 19

(2) Mt 26, 45

(S) Offb 3, a

(10)Mt24. 14

(3) Offb 14, 7 (7) Offb 14, 12

(4) Offb 13, 7 (8) Offb 3, 9

 

 

Laodizea: die Kirche des Abfalls


Alle Sendschreiben an die sieben Gemeinden vo Kleinasien sind von der tiefen Liebe Christi zu Seiner Kirche geprägt. Er lobt und ermutigt, Er mahnt und tadelt alle, die Er liebt: „Wen ich liebe, den weise i^ zurecht und nehme ihn in Zucht."1 Dieses Wort der Liebe hat Jesus gerade zu jener Gemeinde gesprochen, der Er kein einziges Wort des Lobes schenken konnte, sondern nur Tadel! Es war die Gemeinde von Laodizea?-

Woher kam. es — menschlich gesprochen —, daß diese Gemeinde so ganz aus dem Rahmen der christlichen Gemeinschaft gefallen war? Nach unseren heutigen Begriffen war Laodizea eine typisch „moderne Gemein­de", die unserer gegenwärtigen Situation am allernäch­sten kommt, Laodizea war vor allem eine sehr reicht Stadt! Sie besaß viele Banken, Fabriken und Handels­häuser. Wir wissen das aus zeitgenössischen Berichten. Und noch eines erinnert ganz an heute: Es war eine stolze Stadt! Die Bevölkerung bewies ihren Stolz und ihre Unabhängigkeit, als sie nach dem Erdbeben vom Jahr 6l  n. Chr. das römische Hilfsangebot abwies, Auch der Name dieser Stadt drückt viel „modernes Denken" aus: Laodizea bedeutet „Das Volk spricht Recht". Aber in der Kirche übt Gott selber die Herr­schaft aus, nicht der Mehrheitsbescheid des Gottes­volkes. Wir wundern uns nicht, daß diese „moderne Gemeinde" sehr viele Ähnlichkeiten hat mit der heuti­gen Situation der Kirche. Laodizea ist der Typus der „Kirche des Abfalls".

Das tadelt Jesus an dieser Gemeinde? Worin weist Er sie zurecht? Sie sagten: „Ich bin reich und wohlhabend, UI1d nichts fehlt mir"3, aber sie erkannten dabei nicht, daß s*6 »arm> blind und nackt"3 waren.  Sie waren weder für noch gegen Christus, weder abgefallen noch gläubig. Sie waren „lau"4, „liberal", sie erkannten nicht ihre tiefe seelische Armut. Der materielle Reichtum hat sie satt und selbstzufrieden gemacht. Aber das Feuer der Liebe fehlte. Auch die Liebe zur Wahrheit fehlte: Laue Christen fallen nicht ab vom Glauben, aber sie bekennen sich auch nicht wirklich zum Glauben an Jesus Christus,  den  Sohn Gottes. Jesus  gibt dieser Gemeinde von Laodizea den dringenden Rat, geistli­chen Reichtum zu suchen: „Gold, das im Feuer der Liebe geläutert ist"  und „Augensalbe"  des Heiligen Geistes.5 Denn sie sind geistlich blind. Sie sind „gleich­gültig".

Das ernsteste Wort Jesu an diese Gemeinde lautet: „Weil du lau bist, will ich dich ausspeien aus meinem Mund."4 Das ist die Androhung der Verwerfung. Denn ohne Liebe kann niemand gerettet werden.

Dennoch spricht Jesus von Seiner Liebe, die Ihn dazu bewegt, dieser Gemeinde ins Herz zu reden. Er ver­heißt ihr Sein Kommen, wenn sie Ihm die Tür öffnet. Aber Er verschweigt den Ernst der Lage nicht: Jesus steht „außerhalb" dieser Gemeinde! Er steht „vor ihrer Tür und klopft an"6. - Jesus steht bittend und klop-rend vor der Tür jedes einzelnen Gemeindemitgliedes. Bei jedem, der Ihm öffnet, wird Er eintreten und mit ihm Mahl halten. Das bedeutet: Jedem, der sich bekehrt, wird Jesus Tischgemeinschaft beim endzeitli­chen Hochzeitsmahl schenken. Er wird „im Himmel­reich zu Tisch sitzen"7.

Jesus verschweigt auch nicht, daß eine große „Züchti­gung" kommen muß, wenn sich der Mensch weigert, umzukehren zum Herrn und Schöpfer des Lebens: „Wen ich liebe, den weise ich zurecht und nehme ihn in Zucht. Mach also Ernst, und kehr um!"1 Freund, ist das nicht die Mahnrede des Herrn auch an unsere Zeit?

In unserem 20. Jahrhundert hat sich ganz Ähnliches ereignet wie in dieser Gemeinde von Laodizea. Die Völker sind „reich und wohlhabend geworden, und nichts fehlt ihnen". Und sie wissen nicht mehr, daß sie seelisch „elend, arm, blind und nackt" sind. Die Zeit des technischen Fortschritts hat die christlichen Völker stolz gemacht. Sie „brauchen keine Hilfe mehr von oben". Und sie lehnen es ab, sich in einer Weise an Christus zu binden, daß daraus ein „Dienen" und eine „Hingabe" entstehen könnte. „Frei sein!" Das scheint wichtiger zu sein als Gott.

Worin besteht die Antwort der Christen, die heute die­sen Abfall von Christus erkennen und erleben? Sie fühlen sich gedrängt, die Nähe Gottes im Gebet inni­ger und noch tiefer zu suchen. Denn nur die Gegen­wart des Herrn kann uns jene Kraft und Klarheit geben, die nötig ist, um der entfesselten Macht des Bösen zu widerstehen. In diesen Zeiten der Verfüh­rung, der Verfolgung und der Versuchungen entdecken die Menschen, wie sehr sie die Nähe Gottes brauchen, um dieser Sinn-zerstörenden Lebensweise der antichristlichen Mächte zu entrinnen. Sie entdecken die Kraft des Kreuz-Weges Christi!

Gerade in der antichristlichen Verführung unserer Zeit erleben wir gläubige Christen, daß Sein Weg der Armut und des Gebetes zugleich der Weg in die Frei­heit ist. Der Weg Seiner Hingabe ist Weg zur Liebe! Der Weg, den Jesus uns vorausgegangen ist, erweist sich gerade in unserer Zeit als Weg zur Überwindung des Bösen. Am Kreuz Christi und am Kreuzweg der Christen zerbricht alle Macht des Bösen: Hier versagt die Verführungs-Macht, hier zerbricht die Macht der Drohung und Verfolgung,Hier wird die Macht und Gegenwart Christi offenkundig.

 

Schriftstellen;

(I)0ffb3, 19            (2) Oftb 3, 14-22      (3) Offb 3, 17       (4) Offb 3, 16

(5) vgl. Oftb 3, 18      (6) Offh 3, 20            (7) Mt 8, 11



 nach oben


Startseite


index1


                                                  index2