Haltet auch ihr euch bereit !

 

Legt euren Gürtel nicht ab, und laßt eure Lampen brennen! Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft. Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt. Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach — selig sind sie. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüßte, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, daß man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. (Lk 12, 35—40)

Woher hatte die frühchristliche Kirche ihre Kraft und Zuversicht? Es war die brennend aktuelle Erwartung der Wiederkunft des Herrn, die sie beseelte: „Der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet." Diese Zu­versicht gab ihnen den Mut, in dieser Welt so einsam und einfach zu leben, wie es ihnen Jesus vorgelebt hatte. Das war der glühende Erwartungsruf der Urgemein-de: „Komm, Herr Jesus!"1

Du fragst: „War diese Erwartung berechtigt? Und ist sie auch heute berechtigt?" Freund, diese Wiederkunft des Herrn vollzieht sich auf verschiedenen Stufen der Entfaltung; einige davon kannst Du schon sehen; die anderen sind noch ausstän­dig. Das Kommen des Herrn in diese Welt ist ähnlich wie die Lebensentfaltung eines Baumes. Zuerst kommen die Blätter, dann die Blüten, dann die Früchte. So ist es auch mit jenem Reich Gottes, das der Herr auf die Erde bringt. Er selber war schon der Anfang jenes Gottesreiches, die Knospe, der Keim: „Wenn ich die Dämonen durch den Finger Gottes (den Geist Gottes) austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen."2 Jesus Christus war der Anfang des Gottesreiches.                                                                        

Aber Jesus hat versprochen, daß Er Seine Jünger nach Seinem Tod nur für kurze Zeit verlassen wird; daß sie Ihn wiedersehen werden: „Noch kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich se­hen."3 Die Jünger haben den Herrn wiedergesehen, als Er Sich ihnen nach der Auferstehung zeigte! Aber auch das war noch nicht die volle Entfaltung Seines Kommens; denn sogar bei den Erscheinungen des Auferstandenen hatten einige noch Zweifel: „Einige aber hatten Zweifel."4 Diese Zweifel verschwanden erst dann aus ihrem Herzen, als Jesus zu Pfingsten in ganz neuer Weise direkt in ihr Herz kam! Da hatte keiner mehr Zweifel. Denn jetzt war Jesus zu jedem einzelnen gekommen, ganz persönlich, durch den Geist Gottes. Jetzt wohnte Jesus in ihnen, so wie Er es verheißen hatte: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein."5

Freund, diese Art von „Wiederkunft des Herrn" kannst auch Du erleben. Du sollst sie sogar ganz persönlich erfahren. Denn Jesus hat Dir verheißen, daß Er zu Dir persönlich kommen wird, wenn Du Ihn liebst. Dann wird Er kommen und bei Dir wohnen.6 Du sollst in dieser Welt nicht wie ein verlassenes Waisenkind sein;

sondern Du sollst Jesus selber „sehen" und an Ihn glauben, weil Er in Dir wohnt: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet."7 Wenn der Herr zu Dir ganz persönlich kommt, dann wirst Du diese Ankunft des Herrn bemerken, erleben und erfahren: durch den Frieden Gottes in Deinem Herzen; durch Seine Freude, die Er Dir schenkt; und durch das innere Licht, das Er Dir gibt. Du wirst etwas „sehen"! Und Dein Glaube wird dadurch stark werden.

Dieses Kommen des Herrn wird sich am Ende der Zeiten vollenden. Dann wird die volle Frucht des Gottesgeistes zu sehen sein! Denn der Herr Jesus wird Sein Reich der Liebe, der Freude und des Friedens auf dieser Erde aufrichten; ein Reich, das nicht mehr zugrunde geht, sondern tief in Gott verankert ist; ein Reich voll Erbarmen und voll Gebet; ein Reich, in dem Gott selber unter den Menschen wohnt: „Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen."8

Warum wird Jesus am Ende der Zeiten wiederkommen? Freund, weil der Mensch ohne Gott eines Tages an das Ende seiner Möglichkeiten geraten wird. Die Macht des Bösen wird dann offenkundig: zerstörte Familien, zerstörte Schöpfung, zer­störte Seelen, verwüstete Erde. Das ist die „Sünde der Welt"9: daß sie sich von Gott losgemacht hat, abgesondert hat. Sünde ist Sonderung. Das ist tödlich. Des­wegen wird Jesus wiederkommen: Er wird die Erde retten. Er wird Sein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens errichten. Das Reich Gottes.

Du wirst den Herrn aber wahrscheinlich noch viel „früher" sehen mit eigenen Augen. Er wird zu Dir kommen, wenn Du zu Ihm kommst: in der Stunde Deines Todes. Dann ist für Dich der ganz persönliche „Weltuntergang". Dann erlöschen die irdischen Lichter und das ewige Licht leuchtet auf. Da sagt Dir Jesus ganz per­sönlich: „Halte dich bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der du es nicht erwartest!" Das Wort „bereit" heißt „reisefertig" sein. Denn das alte Wort „reiten" bedeutet „reisen". Freund, wenn Gott bei Dir anklopft, mußt Du „reisefertig" sein! Bist Du bereit? Bist Du reisefertig?

Jesus, ich bitte Dich um dieses wache Herz! So oft hast Du schon an meine Tür geklopft. Du wolltest eintreten in mein Leben. Ich aber war mit vielen Dingen beschäftigt. Ich hörte Dich nicht. Ich war „nicht daheim". Mein Herz war nicht wach. 1        Jesus, gib mir das wache Herz.

Ich möchte Dir öffnen, wenn Du kommst. Komm, Herr Jesus!

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Schriftstellen:        (1) Offb 22,20             (2)Lkll,20                (3)Johl6, 16                (4) Mt 28, 17                 (5)Apgl,8

(6)Johl4, 23              (7)Johl4, 18              (8) Offb 21, 3               (9) Johl, 29

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