Ich nehme mir vor...


Ich esse heuer in der Fastenzeit keine Schokolade. Ich habe ohnehin Figurprobleme und paar Kilo weniger sind für meine schlanke Linie wichtig.
Ich esse heuer in der Fastenzeit kein Fleisch, denn in Zeiten von Rinderwahnsinn und Vogelgrippe wird es immer gefährlicher Fleisch zu essen.
Ich trinke heuer in der Fastenzeit kein Bier; es schadet nicht, wenn mein Bierbauch etwas kleiner wird.
Ich trinke heuer in der Fastenzeit keinen Wein, denn ich kämpfe sowieso mit meinem unstabilen Blutdruck und habe Herzprobleme.
Ich rauche heuer in der Fastenzeit keine Zigaretten, denn dadurch kann ich eine Menge Geld sparen und Nikotin schadet der Lunge.
Ich verzichte heuer in der Fastenzeit auf das Fernsehen, denn es ist gut, wenn ich ausreichend Schlaf bekomme und der Schlaf vor Mitternacht, heißt es, ist der gesündeste. Ich meide heuer in der Fastenzeit Kartenspielen, Kegelrunden, Eisstockschießen usw., denn meine Bandscheiben sind schon porös und schmerzen oft.
Ich arbeite heuer in der Fastenzeit nicht am Sonntag, denn Sonntagsarbeit frisst Wochentagsarbeit, und trotz Sonntagsarbeit ist mein Bankkonto nicht fetter geworden. Ich werde heuer in der Fastenzeit weniger tratschen, denn ich habe ungute Tratscherei auch über mich selber gehört.
Liebe Schwestern und Brüder, erwartet Gott das von uns und was meint die Kirche mit
Fastenzeit?
Alle, diese genannten Vorsätze sind gute, äußerliche Dinge, die vielleicht dem Körper gut tun.
Aber was ist wirklich mit Fastenzeit gemeint?
Betäubst du dich mit Bier und Wein, du entkommst deiner Seele und deinem Gewissen nicht.
Fliehst du in den Lärm der lauten Musik und in Tanzveranstaltungen, du entkommst deiner
Seele und deinem Gewissen nicht. Was nützt eine Fotomodellfigur und äußere Schönheit
denen, die innen ohne Orientierung sind und keinen Lebenssinn mehr sehen? Was nützen
volle Teller denen, die nach Liebe hungern?
"Kehrt um und glaubt an das Evangelium.'4 Jesus ruft uns zur radikalen Lebensänderung auf
und nicht zu einer kosmetischen Korrektur.
Die Fastenbotschaft lautet: Umkehr und Neubeginn, die Nähe Gottes suchen, im Glauben
wachsen und aus dem Geist der Liebe leben.
Die Zeit mit Gott ist die wertvollste Zeit. Wir müssen wieder Anbetung üben und uns
sammeln, in der Sammlung die Größe Gottes bestaunen und vor dieser Größe uns in
Ehrfurcht und in der Freiheit unseres Herzens neigen. Dann wird Gott unser Leben und
unsere Seele heil werden lassen. Wir werden geistig gesunden und neu beginnen.
Ich wünsche euch allen eine gute innerliche Vorbereitung auf Ostern.


Aus einem Pfarrbrief 2006


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