Auszüge aus dem Dokument:

"Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche"

6. Aus den Antworten auf die Lineamenta geht hervor, daß der Besuch der Sonntagsmesse in vielen Teilkirchen der afrikanischen und mancher asiatischer Nationen ziemlich hoch ist. In den europäischen und amerikanischen Ländern und zum Teil in Ozeanien ist das Gegenteil zu verzeichnen, wobei der negative Stand von 5% erreicht wird. Die Gläubigen, die das Sonntagsgebot meist vernachlässigen, halten die Teilnahme an der Messe nicht für besonders wichtig. Im Grund wissen sie nicht, was das eucharistische Opfer und Mahl ist, das die Gläubigen um den Altar des Herrn vereint.

Die Messe am Vorabend zum Sonntag erlaubt vielen Gläubigen, das Gebot zu halten, auch wenn es in manchen Fällen dazu benutzt wird, am Sonntag zu arbeiten. Vielerorts wird die Messe an Wochentagen von wenigen Personen besucht. Einige nehmen aus Gewohnheit an ihr teil, andere zufällig und andere wiederum auf Grund ihres Einsatzes im kirchlichen Leben.

Zu ermutigen wäre eine kontinuierliche und verstärkte katechetische Tätigkeit im Bezug auf die Bedeutung und die Pflicht, sonn- und feiertags an der Messe teilzunehmen. Manchmal wird die Bedeutung des Gebotes heruntergespielt mit der Behauptung, es genüge, das Gebot zu beobachten, wenn einem danach zu Mute ist.

7. Unter den Teilkirchen sind einige häufig auftretende Phänomene zu verzeichnen. Besonders unter den Jugendlichen ist ein Niedergang der Glaubenspraxis, der Teilnahme an der Messe, festzustellen. Da ist zu überlegen, wieviel Zeit die Hirten und Katechisten der Glaubensbildung von Jugendlichen und Kindern widmen, und wieviel Zeit sie für andere z.B. soziale Tätigkeiten verwenden.

Man spürt in den säkularisierten Gesellschaften eine Schwächung des Sinnes für das Geheimnis, die auch manchen Auslegungen und Akten zuzuschreiben ist, die vom Sinn der Liturgiereform des Konzils abweichen und zu banalen Riten führen, denen der spirituelle Sinn fehlt. Christliche Gemeinschaften in anderen Ländern haben einen ausgeprägten Sinn für das Geheimnis bewahrt, so daß die Liturgie bei ihnen eine große Bedeutung hat.

Man zeigt sich befriedigt über eine inkulturierte Liturgie, die erlaubt, die aktive Beteiligung an der Liturgie zu verbessern. Infolgedessen hat die Teilnahme an der Messe zugenommen. Viele Jugendliche und Erwachsene nehmen am Leben und an der Sendung der Kirche teil. Wenn auf Grund des Priestermangels in den ländlichen Gebieten nur monatlich oder sogar jährlich die Messe gefeiert werden kann, dann wird der Sonntagsgottesdienst unausweichlich den Laien anvertraut.

8. Es ist klarzustellen, daß der Zugang zum Geheimnis von einer würdigen Feier der Liturgie, einer genauen Vorbereitung, aber vor allem vom Glauben an das Geheimnis abhängt. Sehr hilfreich ist in dieser Beziehung die Enzyklika Redemptoris missio, die die beiden Aspekte des mangelnden Glaubens hervorhebt, die den missionarischen Schwung negativ beeinflussen: die Säkularisierung des Heils und der religiöse Relativismus. Erstere führt dazu, sich für den Menschen einzusetzen, aber für einen Menschen, der allein auf die horizontale Dimension reduziert ist.[10] Manche scheinen die Berufung zum Verwalter der Geheimnisse Gottes an die des Organisators der sozialen Gerechtigkeit zu binden. Der zweite Aspekt führt zur Abschaffung der Wahrheit des Christentums in der Meinung, daß eine Religion gleich viel gilt wie die andere.[11] Ohne dem Vergangenen nachzutrauern, hatte Johannes Paul II. in dem Apostolischen Schreiben Novo Millennio ineunte dazu aufgerufen, die Missionstätigkeit der Kirche zu verstärken.

Unter Berücksichtigung dieses Kontextes kann man das Thema korrekt entfalten, ohne zu vergessen, daß für die Apostel und die Väter - man denke nur an Justinus[13] - die Eucharistie die heiligste Handlung der Kirche ist, die fest glaubt, daß in ihr der auferstandene Herr Jesus gegenwärtig ist. Diese Gegenwart ist das fundamentale Ergebnis des Sakraments.

Gerade dieses Ereignis, das aus der Verwandlung der Gestalten von Brot und Wein erwächst, bewirkt, daß sich die Kirche immer mit Furcht und Zittern und zugleich mit Vertrauen dem Mysterium naht, das das Wesen der Liturgie ausmacht. Heute ist es nötig, die Achtung vor dem Geheimnis der Eucharistie und das Bewußtsein seiner Unantastbarkeit zu bekräftigen. Dazu ist es notwendig, ein gegliedertes Bildungsprogramm zu beachten. Viel wird von der Existenz vorbildlicher Orte abhängen, wo die Eucharistie wahrhaftig geglaubt wird, wo sie korrekt gefeiert wird, und wo man persönlich erleben kann, was sie ist: die einzige wahre Antwort auf die Suche nach dem Sinn des Lebens, die den Menschen auf allen Breitengraden auszeichnet.

 

Die enge Verbindung zwischen der Eucharistie und der Buße

22. Das Sakrament der Versöhnung stellt die von der Todsünde unterbrochenen Bande der Gemeinschaft wieder her.[37] Deshalb verdient die Beziehung zwischen der Eucharistie und dem Sakrament der Versöhnung besondere Aufmerksamkeit. Die Antworten zeigen die Notwendigkeit, es im Zusammenhang der Beziehung zwischen Eucharistie und Kirche darzustellen und als Bedingung, um dem Herrn, dem Hochheiligsten, im Geist der Heiligkeit und mit reinem Herzen zu begegnen und ihn anzubeten. Er hat den Aposteln die Füße gewaschen, um auf die Heiligkeit des Geheimnisses hinzuweisen. Die Sünde, so sagt der Apostel Paulus, erzeugt eine Profanierung ähnlich der Prostitution, denn unsere Leiber sind Glieder Christi (vgl. 1 Kor 6,15-17). Der hl. Cesare de Arles sagt: »Jedesmal, wenn wir in die Kirche kommen, ordnen wir unsere Herzen so, wie wir das Gotteshaus finden möchten. Willst du eine glänzende Basilika finden? Dann beflecke dein Herz nicht mit dem Schmutz der Sünde«.

Die Beziehung zwischen Eucharistie und Buße in der heutigen Gesellschaft hängt sehr vom Sinn für die Sünde und vom Sinn für Gott ab. Der Unterschied zwischen gut und böse wird oft subjektiv. Der moderne Mensch, der sich nur auf das Urteil seines eigenen Gewissens verläßt, läuft Gefahr, den Sinn der Sünde umzukehren.

23. Die Antworten auf die Lineamenta, die über die Beziehung zwischen Eucharistie und Versöhnung berichten, sind sehr zahlreich. In vielen Ländern hat man das Bewußtsein der notwendigen Bekehrung vor dem Empfang der Eucharistie verloren oder ist im Begriff, es zu verlieren. Die Verbindung mit der Buße wird nicht immer als die Notwendigkeit verstanden, vor dem Empfang der Kommunion im Stand der Gnade zu sein, so daß die Pflicht vernachlässigt wird, die Todsünden zu beichten.

Auch die Idee der Kommunion als »Wegzehrung« hat dazu geführt, die Notwendigkeit zu unterschätzen, im Stand der Gnade zu sein. Wie aber die Nahrung einen lebendigen und gesunden Organismus voraussetzt, so erfordert die Eucharistie den Stand der Gnade, um das Taufversprechen zu bekräftigen: Man darf nicht im Stand der Todsünde sein, wenn man den empfangen will, der die »Medizin« der Unsterblichkeit und das »Gegenmittel« gegen den Tod ist.

Viele Gläubigen wissen, daß sie mit einer Todsünde nicht die Kommunion empfangen dürfen, aber sie sind sich nicht im klaren darüber, was Todsünde ist. Andere erforschen sich in dieser Hinsicht nicht mehr. So entsteht ein Teufelskreis: »Ich kommuniziere nicht, weil ich nicht gebeichtet habe; ich habe nicht gebeichtet, weil ich keine Sünden begangen habe.« Die Ursachen können verschieden sein, aber ein Hauptgrund ist die mangelnde Katechese in dieser Frage.

Ein anderes sehr verbreitetes Phänomen besteht darin, daß der Zutritt zum Sakrament der Versöhnung nicht durch entsprechende festgelegte Zeiten erleichtert wird. In manchen Ländern wird dem Einzelnen das Bußsakrament nicht gespendet; höchstens zweimal im Jahr wird eine gemeinsame Bußandacht gefeiert, indem man eine Formel zwischen dem vom Ritualbuch vorgesehenen II. und III. Weg findet.

Festzustellen ist gewiß ein großes Mißverhältnis zwischen den vielen Gläubigen, die kommunizieren, und den wenigen, die beichten. Sehr häufig achten die Gläubigen, die die Kommunion empfangen, nicht darauf, ob sie im Stand der Todsünde sind. Nicht selten ist deshalb in manchen Ländern die Zulassung zum Kommunionempfang bei denen, die geschieden und standesamtlich wiederverheiratet sind. Bei den Totenmessen oder bei Hochzeiten und anderen Meßfeiern gehen viele Teilnehmer zur Kommunion, weil die Meinung verbreitet ist, daß die Messe ohne Kommunionempfang nicht gültig sei.

24. Angesichts dieser pastoralen Wirklichkeiten gibt es auch viele ermutigende Antworten. Sie hoffen, den Personen zu helfen, daß diese sich der Bedingungen zum Kommunionempfang und der Notwendigkeit der Buße bewußt werden, weil die Buße nach vorausgegangener Gewissensprüfung das Herz bereitet und von der Sünde reinigt. Zu diesem Zweck scheint es angemessen, daß der Zelebrant auch in der Predigt öfter über den Zusammenhang der beiden Sakramente spricht.

Es wurde der Wunsch ausgesprochen, überall das eucharistische Fasten wieder einzuführen, jene strenge Aufmerksamkeit, die bei den orientalischen Kirchen noch Brauch ist.[41] In der Tat erfordert das Fasten als Selbstbeherrschung die Mitwirkung des Willens und führt zur Reinigung des Sinnes und des Herzens. Der hl. Athanasius sagt: »Willst du wissen, was das Fasten bewirkt? ... Es verjagt die Teufel und befreit von schlechten Gedanken, es erfreut den Sinn und reinigt das Herz«.[42] In der Fastenliturgie wird oft auf die Reinigung des Herzens durch Fasten und Stillschweigen hingewiesen, wie es der hl. Basilius empfiehlt.[43] In manchen Antworten auf die Lineamenta wird die Frage gestellt, ob es nicht angemessen sei, die Pflicht des dreistündigen eucharistischen Fastens wieder einzuführen.

Man lädt dazu ein, sich anzustrengen, um mehr Gelegenheit zur individuellen Versöhnung zu schaffen, indem man auf die Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien am Samstag und Sonntag und in höherem Maße im Advent und in der Fastenzeit zurückgreift. Viel könnte auch in der Predigt und Katechese getan werden, um den Sinn für die Sünde und die Bußpraxis wieder zu wecken und die Schwierigkeiten zu überwinden, die der säkularisierten Mentalität zuzuschreiben sind.

Man hält es für notwendig, die Möglichkeit zur Beichte vor der Messe anzubieten, indem die Zeiten der wirklichen Situation der Bußfertigen angepaßt werden, aber auch während der Eucharistiefeier, wie es das Apostolische Schreiben Misericordia Dei empfiehlt.

Die Priester sollen zur Spendung des Bußsakramentes ermutigt werden und diese als eine bevorzugte Gelegenheit nutzen, Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit Gottes zu sein. Die Kirche ist den Priestern äußerst dankbar, wenn sie eifrig Beichte hören, um die Gläubigen darauf vorzubereiten, Christus in der Eucharistie zu empfangen und ihm zu begegnen. Anderseits werden die Gläubigen ermutigt, zu beichten, besonders wenn sie den Priester in der Ausübung seines Dienstes im Beichtstuhl sehen, wie es in unseren Tagen die Heiligen Leopold Mandic, Pio da Pietrelcina und viele heilige Priester bezeugt haben.

Schatten über der Feier der Eucharistie

27. Durch die Schatten über der Eucharistiefeier, die auch aus den Antworten auf die Lineamenta hervorgehen, wird die kirchliche Gemeinschaft schwer gestört und verletzt. Das Thema, das schon von Johannes Paul II. in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia behandelt wurde,[47] und im einzelnen in der Instruktion der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Redemptionis Sacramentum, erläutert wird,[48] ist eine Einladung, einen aufmerksamen und ausgewogenen, aber nicht unkritischen Blick darauf zu werfen, wie die Kirche dieses Sakrament feiert, das die Quelle und der Höhepunkt ihres Lebens und ihrer Sendung ist. Gerade die Tatsache, daß diese Einladung in diesem geschichtlichen Augenblick gemacht wird, während sich die Kirche immer stärker in den Dialog mit den Religionen und mit der Welt engagiert, ist nichts anderes als eine providentielle Inspiration des Nachfolgers Petri, die zu verstehen gegeben hat, daß die Kirche notwendigerweise immer auf sich selbst schauen muß, wenn sie mit den Gesprächspartnern bessere Beziehungen aufbauen will, ohne daß sie die eigene Identität als universales Heilssakrament verliert. Im vorliegenden Text werden mehrere Schatten gemeldet, die aus der Analyse der Antworten auf die Lineamenta hervorgehen. Solche Schatten sollten nicht nur als reine Überschreitungen der liturgischen Rubriken und Praktiken betrachtet werden, sondern als Ausdruck der inneren Haltung.

Festzustellen ist eine Verringerung der Teilnahme an der Feier des Dies Domini, des Tags des Herrn, am Sonntag und an den gebotenen Feiertagen auf Grund einer mangelnden Kenntnis des Inhalts und der Bedeutung des eucharistischen Geheimnisses, auf Grund von Gleichgültigkeit, insbesondere in den stark säkularisierten Ländern, wo sich der Sonntag nicht selten auch in einen Arbeitstag verwandelt.

Verbreitet ist die Meinung, daß die Gemeinschaft die Gegenwart Christi bewirkt, und nicht daß Christus die Quelle und der Mittelpunkt unserer Gemeinschaft und das Haupt seines Leibes, der Kirche, ist.

Der Sinn für das Heilige im Bezug auf dieses große Sakrament verändert sich; es ist die Auswirkung einer Entkräftigung des Gebets, der Betrachtung und der Anbetung des eucharistischen Geheimnisses.

Man läuft Gefahr, die Wahrheit des katholischen Dogmas der Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi abzuschwächen, die traditionsgemäß als Transsubstantiation bezeichnet wird, und in der Folge die Wahrheit der Realpräsenz Christi in der Eucharistie; dies geschieht im Zusammenhang von Ideen, die das eucharistische Mysterium nicht so sehr in sich selbst, sondern mehr in der Perspektive des Subjekts zu erklären suchen, mit dem es in Beziehung tritt; zum Beispiel durch Bezeichnungen wie Transfinalisation und Transsignifikation. Festzustellen ist eine Inkohärenz zwischen dem im Sakrament bekannten Glauben und der moralischen Dimension, sei es in der Privatsphäre, sei es im Bereich des kulturellen und sozialen Lebens.

Die Dokumente der Kirche und insbesondere des II. Vatikanischen Konzils sind kaum bekannt, so die großen Enzykliken über die Eucharistie, wie Ecclesia de Eucharistia, das Apostolische Schreiben Mane nobiscum Domine u.a. Es fehlt die rechte Ausgewogenheit in der Feier; das geschieht durch einen passiven Ritualismus oder eine übertriebene Kreativität, die manchmal so weit geht, daß der Zelebrant der Eucharistie die Hauptrolle spielt, nicht selten sehr redselig ist, zu viel und zu lange kommentiert und das Mysterium durch den Ritus und die Formeln der Liturgie nicht sprechen läßt.

Sinn für das Heilige in der Eucharistie

34. Zweifellos hat die im Geist des II. Vatikanischen Konzil durchgeführte Liturgiereform große Auswirkungen gehabt. Denn die nachkonziliare Liturgie hat die aktive, bewußte und fruchtbringende Teilhabe der Gläubigem am heiligen Opfer des Altares sehr gefördert.

Dennoch wurden in den Antworten, die aus vielen Nationen eingesandt wurden, sowohl vom Klerus als auch von den Gläubigen Mängel und Schatten in der Praxis der Eucharistiefeier gemeldet, die ihren Ursprung in einem geschwächten Sinn für das Heilige im Bezug auf das Sakrament haben. Geschützt wird dieser Sinn im Grunde von dem Bewußtsein, daß die Eucharistie ein Geheimnis und ein Geschenk ist, deren Gedächtnis Zeichen und Worte erfordert, die dem sakramentalen Wesen entsprechen.

Oft werden in den Antworten auf die Lineamenta gemeldet, die den Sinn für das Heilige gefährden. Zum Beispiel: die Nachlässigkeit in der Verwendung des eigenen liturgischen Schmuckes seitens des Zelebranten und der Priester sowie die mangelnde schickliche Kleidung der Teilnehmer an der Messe; die Ähnlichkeit bestimmter in der Kirche verwendeter Lieder mit den profanen Liedern; die schweigende Zustimmung, einige liturgische Gesten auszulassen, weil sie für altmodisch gelten, wie die Kniebeuge vor dem Allerheiligsten Sakrament; eine unangemessene Kommunionausteilung in die Hand, ohne eine entsprechende Katechese; wenig ehrerbietige Haltungen vor, während und nach der Feier der heiligen Messe, nicht nur von seiten der Laien, sondern auch von seiten des Zelebranten selbst; die schlechte architektonische und künstlerische Qualität der Gotteshäuser und der sakralen Einrichtungsgegenstände; Fälle von Synkretismus aufgrund einer leichtsinnigen Inkulturation der liturgischen Formen, die mit Elementen anderer Religionen gemischt werden.

Alle diese negativen Wirklichkeiten, die in der lateinischen Liturgie häufiger auftreten als in den orientalischen Liturgien, sollen keine falsche Panik verursachen, weil sie begrenzt sind. Aber sie müssen zu einem ehrlichen und eingehenden Nachdenken führen mit dem Ziel, sie zu beseitigen und zu veranlassen, daß die eucharistischen Liturgien Orte des Lobes, des Gebets, der Gemeinschaft, des Hörens, der Stille und der Anbetung werden unter Achtung des Geheimnisses Gottes, der sich in Christus unter Brot und Wein offenbart, und in der respektvollen Freude, sich als Glieder einer Gemeinschaft von Gläubigen zu fühlen, die mit Gott dem Vater in der Gnade des Heiligen Geistes versöhnt sind. Die Eucharistie ist der heiligste und höchste Punkt des Gebets. Sie ist ein großes Gebet.

Opfer, Gedächtnis und Mahl

37. In den Antworten und in den Bemerkungen zu den Lineamenta wird häufig gefordert, den Opfercharakter der Eucharistie zu vertiefen, und man bittet darum, diese Wahrheit unseres Glaubens noch klarer, dem jüngsten Lehramt der Kirche folgend, darzustellen.

Schon das II. Vatikanische Konzil hat das theologische Nachdenken über den Sinn des Opfertodes Jesu als vollkommene, freie und ungeschuldete Opfergabe an den Gott, den Vater, für das Heil der Welt gefördert. Unter den vielen Texten, die diesen Aspekt behandeln, verdient der Text aus der dogmatischen Konstitution Lumen gentium, der die Ausübung des Amtspriestertums betrifft, besondere Aufmerksamkeit: Die Priester »üben ihr heiliges Amt in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sie in der Person Christi handeln und sein Mysterium verkünden, die Gebete der Gläubigen mit dem Opfer ihres Hauptes vereinigen und das einzige Opfer des Neuen Bundes, das Opfer Christi nämlich, der sich ein für allemal dem Vater als unbefleckte Gabe dargebracht hat (vgl. Hebr 9,11-28), im Meßopfer bis zur Wiederkunft des Herrn (1 Kor 11,26) vergegenwärtigen und zuwenden.«

Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt ein Titel: Das sakramentale Opfer: Danksagung, Gedächtnis, Gegenwart, dem zu entnehmen ist, daß der bevorzugte Name, der alle anderen einschließt, sakramentales Opfer lautet, das heißt, die Tatsache des Todes Christi, der uns durch seinen Opfertod, dessen Wirksamkeit im Sakrament jedem Menschen zur Verfügung steht, erlöst hat. Die Danksagung wird also für sein Opfer gebracht, für das Gedächtnis seines Opfertodes, für die Gegenwart seines Opfers im Leib, der hingegeben und im Blut, das vergossen wurde. Die Danksagung gilt Gott für die Erschaffung und die Erlösung der Welt.

In dieser Betrachtungsweise der Eucharistie wird die Dialektik zwischen Opfer und Mahl überwunden. Denn wenn man den zweiten Terminus als Synonym für Abendmahl versteht, schließt er den Opfertod mit ein, weil es sich um das Mahl des geopferten Lammes handelt; wenn man ihn als Synonym für Gemeinschaft versteht, verweist er auf das Ziel oder den Höhepunkt der Eucharistie.

Die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, die das eucharistische Opfer behandelt,lehrt, daß die Kirche das Opfer Christi auch in Form der Fürbitte darbringt, weil der Sohn sich in seinem Leib geopfert hat und so Mittler zwischen dem Menschen und dem Vater ist. Die Kirche Christi ist mit diesem Opfer in der Anaphora oder dem Eucharistischen Hochgebet vereint. Dieses wenn auch unblutige Opfer ist nicht neu, sondern es ist das gleiche wie das am Kreuz vollbrachte Opfer. In diesem Sinn wird der Hinweis der Enzyklika verständlich: »Die Messe macht das Opfer des Kreuzes gegenwärtig, sie fügt ihm nichts hinzu und vervielfältigt es auch nicht«. Die Versicherung, daß das auf Grund der Opferliebe des Herrn geschieht, dient dazu, das in der Enzyklika Gesagte zu wiederholen.

 

Das Dokument im Wortlaut