TREFFEN
zwischen S. Exz. Mons. TARCISIO BERTONE
und Schwester LUCIA

Am 17. November 2001 hat 5. Exz. Mons. Tarcisic
Bertone, Sekretär der Kongregation für die
Glaubenslehre, Schwester Lucia im Konvent von
Coimbra (Portugal) getroffen, um einige Fragen in
Bezug auf die Veröffentlichung des Dokuments "Die
Botschaft von Fatima" (26. Juni 2001) zu klären.
Das Ergebnis der Unterredung, das wir nachfolgend wiedergeben (vom Vatikan in italienischer Sprache veröffentlicht am 20. Dezember 2001), trägt die gemeinsame Unterschrift von 5. Exz. Mons. Tarcisio Bertone und von Schwester Lucia:


In den vergangenen Monaten, vor allem nach dem traurigen Ereignis des terroristischen Attentats vom vergangenen 11. September, sind in italienischen und ausländischen Zeitungen Artikel erschienen, die von mut maß neuen Offenbarungen von Schwester Lucia, von Ankündigungen von Mahnbriefen an den Papst oder von apokalyptischen Neuinterpretationen der Botschaft von Fatima sprechen.
Ferner wurde der ernsthafte Verdacht geäußert, dass der Heilige Stuhl nicht den gesamten Text des dritten Teils des "Geheimnisses' veröffentlicht habe, und einige Fatima-Bewegungen haben mehrfach den Vorwurf erhoben, dass der HI. Vater Russland noch nicht dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht habe.
Es wurde deshalb für erforderlich erachtet, mit Zustimmung Seiner Eminenz, des Kardinals Joseph Rat zinger, und der beiden Bischöfe von Leiria-Fatima und von Coimbra Schwester Lucia in Gegenwart von Pater Luis Kondor, SVD, Vize-Postulator in der Causa der Seligen Francisco und Jacinta, und der Priorin des Karmel Santa Teresa zu treffen, um einige Klarstellungen und direkte Informationen seitens der noch lebenden Seherin zu erhalten.
Die Unterredung, die über zwei Stunden dauerte, fand am Nachmittag des Samstags, 17. November 2001, statt. Schwester Lucia, die am 22.3.2002 95 Jahre alt wird, erschien in bester Form, bei klarem Bewusstsein und sehr lebendig. Sie bekannte vor allem ihre Liebe und Verehrung für den Heiligen Vater Sie betet viel für ihn und für die ganze Kirche.
Sie ist erfreut über die Verbreitung ihres Buches "Die Appelle der Botschaft von Fatima", das bereits in sechs Sprachen (italienisch, spanisch, deutsch, ungarisch, polnisch und englisch) übersetzt ist. Sie erhält dies bezüglich viele Dankesbriefe.
Was nun das Problem des dritten Teils des Geheimnisses von Fatima angeht, so hat sie aufmerksam das von der Kongregation für die Glaubenslehre publizierte Heft gelesen und meditiert und sie bestätigt alles, was dort geschrieben steht.
Jedem, der Zweifel äußert, als sei noch etwas vom "dritten Geheimnis' verborgen gehalten worden, antwortet sie: "Alles ist veröffentlicht; es gibt nichts Geheimes mehr".
Jedem, der von neuen Offenbarungen spricht und schreibt, sagt sie: "Daran ist nichts wahr Hätte ich neue Offenbarungen gehabt, dann hätte ich sie niemandem mitgeteilt, sondern sie direkt dem Heiligen Vater gesagt!
Dann ruft sie von sich aus erneut ihre Jugendzeit in Erinnerung mit den Schwierigkeiten, auf die sie stieß, bevor sie Schwester wurde, aber auch mit den Abschnitten von Wohlwol!en, die ihr zuteil wurden: Z. B. erinnert sie sich an die "Ferien" in Braga in den Jahren 1921-1924 bei ihrer Firmpatin Frau Philomena Miranda.

S. Eminenz. Joseph Kardianl Ratzinger,
im Gespräch mit Sr. Lucia bei seinem Besuch im KARMEL
VON COIMBRA AM14.10. 1996
Foto: Bildarchiv (Bote von Fatima)


Auf die Frage: "Welche Auswirkung auf Ihr Leben hat die Vision des 13. Juli gehabt, bevor sie nieder geschrieben und der Kirche übergeben wurde?", antwortet sie:
"Ich fühlte mich in Sicherheit unter dem Schutz Unserer Frau, die zweifellos mit großer Sorge über die Kirche und den Papst wacht……. sie fügte ihrer Erzählung der berühmten prophetischen Vision eine bislang nicht gehörte Besonderheit hinzu: "Während der Vision hielt Unsere Frau, die einen Glanz ausströmte, in der rechten Hand ein He und in der linken Hand den Rosenkranz "Welche Bedeutung hat das Herz in der Hand der Madonna?"


"Es ist ein Zeichen der Liebe, die schützt und rettet. Sie ist die Mutter die ihre Kinder leiden sieht und mit ihnen leidet, selbst mit denen, die sie nicht lieben. Denn sie möchte alle retten und keinen von denen verlieren, die der Herr ihr anvertraut hat. Ihr Heu ist ein sicherer Zufluchtsort. Die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens ist das Heilmittel für die schwierigen Zeiten der Kirche und der Welt. Der Gedanke von Kardinal Ratzinger am Ende seines Kommentars zum dritten Teil des ‚Geheimnisses stimmt da ganz genau": "Mein Unbeflecktes Herz wird siegen'. Was heißt das? Das für Gott geöffnete, durch das Hinschauen auf Gott rein gewordene Herz ist stärker als Gewehre und Waffen aller Art. Das Fiat Marias, das Wort ihres Herzens, hat die Weltgeschichte gewendet, weil es den Retter einge lassen hat in diese Welt - weil im Raum dieses Ja Gott Mensch werden konnte und es nun ewig bleibt. Das Böse hat Macht in der Welt, wir sehen es und erfahren es immer wieder; es hat Macht, weil unsere Freiheit sich immer wieder von Gott abdrängen lässt. Aber seit Gott selbst ein menschliches Herz hat und so die Freiheit des Menschen ins Gute hinein, auf Gott zu, gewendet hat, hat die Freiheit zum Bösen nicht mehr das letzte Wort. Seitdem gilt: ‚In der Welt werdet ihr Drangsal haben, aber seid nur getrost, ich habe die Welt überwunden' (Joh 16,33). Dieser Verheißung uns anzuvertrauen, lädt uns die Botschaft von Fatima ein.


Ich habe ihr noch drei Fragen gestellt:
"Ist es wahr, dass Sie im Gespräch mit Don Luigi Bianchi und mit Don Josö das Santos Valinho die Inter pretation des dritten Teils des ‚Geheimnisses' in Zweifel gezogen haben?'
Schwester Lucia antwortet: "Es ist nicht wahr. Ich bestätige vollends die Interpretation, wie sie im Jubiläumsjahr gegeben worden ist."
"Was sagen Sie zu den ständig wiederholten Behauptungen des Pater Gruner, der Unterschriften sammelt, damit der Papst endlich die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens vollziehe, die noch nie geschehen sei?"
Schwester Lucia antwortet: Die Gemeinschaft des Karmel hat die Formulare für die Sammlung der Unterschriften weggeworfen. Ich habe schon gesagt, dass die von Unserer Frau gewünschte Weihe im Jahr 1984 geschehen ist und dass sie im Himmel angenommen ist'.
‚Ist es wahr, dass Schwester Lucia sehr besorgt ist über die letzten Ereignisse und nicht mehr schläft, son dern Tag und Nacht betet?"
Schwester Lucia antwortet: "Es ist nicht wahr. Wie könnte ich untertags beten, wenn ich mich nicht nachts ausruhte? Wieviele Sachen legt man mir doch in den Mund! Wieviele Sachen soll ich angeblich tun! Sie sollen mein Buch lesen; dort finden sich die Ratschläge, die den Wünschen Unserer Lieben Frau entsprechen. Gebet und Buße, mit einem großen Glauben an die Macht Gottes, sie werden die Welt retten".


gez.S. E. Mons. Tarcisio Bertone, SDB
gez. Suor Maria Lucia De Jesus e Do Coracäo Imaculado
(Übersetzt aus dem Italienischen von Domvikar Msgr. Dr. Joset Ammer)

Aus: Bote von Fatima Februar 2002