Zweiter Vortrag: DAS DRITTE GEHEIMNIS VON FATIMA 
  1. Die Prophetin der letzten Zeiten
  2. Das Spiel des Drachens
  3. Das dritte Geheimnis geht in Erfüllung
  4. Das Neue Jerusalem steigt herab

DIE KIRCHE ERLEBT FATIMA 

1. Die Prophetin der letzten Zeiten

Liebe Brüder, wir bitten die himmlische Mutter, sie möge uns einen Lichtstrahl aus ihrem Unbefleckten Herzen schicken, damit sie selbst es sei, die uns in ihre Botschaft von Fatima einführt.Wir haben gesehen, dass die Fatima Botschaft eine apokalyptische Botschaft ist, die sich auf das Ende der Zeit bezieht. Dieses Ende ist mit der Rückkehr des Herrn in Herrlichkeit verbunden.

Darüber hat Johannes Paul II. mehrmals gesprochen, z. B. beim Angelus am 3. Dezember 95: „Die liturgische Zeit des Advents bereitet uns auf die Feier der Menschwerdung des Sohnes Gottes vor, während sie uns erinnert, dass Er jeden Tag in unser Leben kommt und am Ende der Zeiten in Herrlichkeit zurückkehren wird. Diese Gewissheit bewirkt, dass wir mit Vertrauen in die Zukunft schauen" (Insegnamenti 1995,2,1307). Also das ist eine Gewissheit des Glaubens, darum schauen wir mit Vertrauen in die Zukunft.

Christus wird überall sein herrliches Reich errichten: in der ganzen Welt. In diesem großartigen Rahmen erschließt sich eine globale Sicht oder Gesamtsicht des Geheimnisses und der Rolle von Fatima und der Botschaft der Gottesmutter in Fatima.

Nach der Wallfahrt nach Fatima am 15. Mai 91 sagte Johannes Paul II.: „Die Botschaft Mariens in Fatima kann man mit diesen ersten und klaren Worten Christi zusammenfassen: `Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!` (Mk 1,15) (Insegnamenti 1991,1,1247). Also das Reich Gottes ist nahe, hat sich genaht.

Und am 13. Mai in diesem Jubiläumsjahr in Fatima erklärte Johannes Paul II.: „Nach dem göttlichen Plan ist eine Frau, mit der Sonne bekleidet, vom Himmel auf die Erde herabgekommen."

Was für ein Plan ist das? Es ist der göttliche Plan der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit; und damit auch die Wiederherstellung von allen Dingen, das glorreiche Reich Christi in der ganzen Welt.

Wir wissen aus dem Evangelium: Vor dem Auftritt Jesu Christi kam Johannes der Täufer und verkündete die Buße, die Umkehr, dem ganzen auserwählten Volk, in gewissem Sinn auch den Heiden.

Nach dem göttlichen Plan ist die Muttergottes in Fatima auf die Erde herabgestiegen, um das „neue Israel" auf die Ankunft des Herrn vorzubereiten.

Am 13. Mai 82 sagte der Papst in Fatima: „Die Botschaft von der Frau von Fatima, so mütterlich sie ist, ist zugleich so stark und entschlossen. Sie scheint streng. Es ist so, wie wenn Johannes der Täufer am Ufer des Jordans gesprochen hätte. Sie lädt zur Buße ein. Macht aufmerksam. Ruft zum Gebet" (Insegnamenti 1982,2,1582).

Also nicht ein Prophet oder mehrere Propheten wie im Alten Bunde, die die Ankunft Christi vorbereiteten: Jetzt hat die Muttergottes selbst von der Heiligen Dreieinigkeit die Sendung, die Kirche, und in gewissem Sinn auch die Menschheit, auf die Ankunft des Herrn in Herrlichkeit vorzubereiten.

Das ist der göttliche Plan, nicht ein menschlicher Plan. Maria ist die Prophetin der letzten Zeiten und ihre Botschaft ist prophetisch.

In diesem großartigen Rahmen findet das dritte Geheimnis von Fatima seinen Platz und seine Erklärung.
Das dritte Geheimnis wurde am 26. Juni 2000 vom Heiligen Vater veröffentlicht, und Kardinal Ratzinger kommentierte es: Er nannte den Kommentar „Versuch einer Auslegung des Geheimnisses von Fatima". In der Pressekonferenz betonte Kardinal Ratzinger ausdrücklich, dass der Heilige Stuhl diese Interpretation auf keinen Fall aufzuzwingen beabsichtigt. Es ist den Spezialisten erlaubt, diesen Auslegungsversuch weiter zu vertiefen oder sogar andere Auslegungsperspektiven zu eröffnen.

Schwester Lucia erklärte hinsichtlich des dritten Geheimnisses: „Ich habe das geschrieben, was ich gesehen habe. Mir steht die Deutung nicht zu, sondern dem Papst."

Bei der Auslegung des dritten Geheimnisses folge ich der Weisung von Schwester Lucia: Es geht nur um einen kleinen Auslegungsversuch, der jenseits dessen, was schon bekannt ist, einige ergänzende Gesichts­punkte eröffnet.

Der Weisung von Schwester Lucia zu folgen, scheint mir richtig, weil der jetzige Papst ein Blutzeuge von Fatima ist, und er wurde vom Heiligen Geist am tiefsten in die Botschaft von Fatima eingeführt. Und auch weil er ein Papst, oder besser gesagt, der Papst des dritten Geheimnisses ist. Das bestätigte er selbst in Fatima am 13. Mai in diesem Jahr 2000, indem er der seligen Jacinta dankte für ihre Gebete für den Heiligen Vater, wie sie in einer Vision sah, wie er viel zu leiden hatte.

Und am 13. Mai 91 im Blauen Buch sagte die himmlische Mutter: „ Heute bestätige ich euch, dass dieser der Papst meines Geheimnisses ist, der Papst, über den ich zu den Kindern während der Erscheinun­gen gesprochen habe, der Papst meiner Liebe und meines Schmerzes. "

Nach der Wallfahrt nach Fatima, bei der Generalaudienz am 17. Mai in diesem Jahr, erklärte Johannes Paul II.: „Da mir die Zeit nun reif schien, hielt ich es für angebracht, den Inhalt des sogenannten dritten Teiles des Geheimnisses an die Öffentlichkeit zu bringen."

Was bedeutet das: die Zeit ist reif? Wenn wir einen Weingarten besuchen, wann ist die Zeit reif? Wenn die Weintrauben reif sind. Dann ist die volle Verwirklichung der Reben, der Weinreben gekommen. Also dann ist die Zeit reif. Es kommt die Zeit der Weinlese. Das ist eigentlich die Reife der Zeit.

Jetzt ist das dritte Geheimnis bekannt. Nun meine Frage: „Hat Johannes Paul II. dieses Geheimnis erklärt?" Und die Antwort ist: „Ja." Das hat er gemacht und zwar hauptsächlich bei den ersten zwei Besuchen in Fatima. Und dann auch noch etwas beim dritten Besuch in Fatima. Auch den Brief vorn 1. Oktober 97 an den Bischof von Leiria­Fatima können wir dazuzählen.

2. Das Spiel des Drachen

Die Vision der Kinder am 13. Juli im Jahre 1917 ist die Offenbarung des dritten Geheimnisses. Sie sahen im Spiegel der Ewigkeit, also im Spiegel des ewigen Gottes, das Geschehen. Der hl. Gregor von Nyssa, ein Kirchenvater aus dem 4. Jahrhundert, präzisiert: „In der Ewigkeit Gottes sind alle Ereignisse der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft gegenwärtig." Sicher, Gott ist nicht der Vergangenheit oder der Zukunft unterworfen, er ist ewig.

In der Mitte der Vision erhebt sich der Kalvarienberg, auf den der Papst, die Bischöfe, Priester, Ordensleute hinaufsteigen. Ein steiler Weg, ein Kreuzweg.

Am 13. Mai im Jahre 2000 sprach der Paffst in Fatima vom Sl des Drachen mit der Menschheit, und sogar mit den Christen, und dass er „mit seinem Schwanz ,ein Drittel der Sterne vom Himmel fegte' und ,sie auf die Erde herabwarf (Offb 12,4). Das letzte Ziel des Menschen ist der Himmel, seine wahre Wohnung, wo der himmlische Vater in seiner barmherzigen Liebe auf alle wartet."

Das ist also das Ziel für uns alle, für alle Menschen. Im Gegensatz zu dieser Wirklichkeit entwickelt sich das Spiel des Drachen.

Am 13. Mai 82 in Fatima erklärte Johannes Paul II das Spiel des Drachen im 20. Jahrhundert.
Dieses Spiel hat mehrere Aspekte, aber hier ist sehr wichtig, was er sagte: „Was ganz dem Weg des Menschen zu Gott entgegengesetzt ist, ist die Sünde. Das Verbleiben in der Sünde, und, endlich, die Leugnung Gottes. Das programmatische Wegwischen des Herrgotts aus der menschlichen Gedankenwelt. Die Trennung der ganzen irdischen Tätigkeit des Menschen von ihm. Die Tierleugnung Gottes von seiten des Menschen. Das ewige Heil des Menschen ist tatsächlich nur in Gott. Die Verleugnung Gottes von seiten des Menschen, wenn sie endgültig wird, führt logisch zur Verleugnung des Menschen von seiten Gottes (vgl. Mt 7,23: ,Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!' Und Mt 10,33: ,Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Him­mel verleugnen.'): zur Verdammung" (Insegnamenti 1982,2,1581).

Also das ist eigentlich das letzte Ziel des Spieles des Drachen: Die ewige Verdammung der Seelen. Und Sie verstehen, warum diese Verdammung immer wieder im 20. Jahrhundert geleugnet wird. Sie verstehen gerade dieses Spiel, warum so viele Theologen behaupten: „Die Hölle ist leer, die Hölle ist leer."

Also Sie verstehen: Das ist das Spiel des Drachen überall jetzt: „Die Hölle ist leer, niemand wird verdammt". Aber die Heilige Schrift, die göttliche Offenbarung redet ganz anders. Und auch der Papst, sehen Sie.

Am 13. Mai 91 in Fatima erklärte der Papst das Spiel des Drachen im 20. Jahrhundert: Der Bau einer Welt, einer Zivilisation, als ob es keinen Herrgott gäbe, und als ob es kein Kreuz auf Golgotha gäbe, wo sich die Liebe Christi, die stärker ist als der Tod, geoffenbart hat, um den Menschen, die Menschen, aus der ewigen Verdammung zu retten.

Wir wissen als Priester, wie man im Altertum und im Mittelalter betont hat: die Ewigkeit, die Ewigkeit, die Ewigkeit! Aber jetzt ist dieser Gedanke fast verschwunden durch das Spiel des Drachen.

Also das Spiel des Drachen: Ein Christentum ohne Kreuz, ohne Kalvarienberg, ohne Buße, ohne Gebet, ohne Selbstabtötung... Und darum auch ohne Auferstehung und ohne Himmel. Die Menschen wollen sich den Himmel schon hier auf Erden bauen.

In seinem Spiel hat sich der Drache gegen die Botschaft von Fatima entfesselt, sagt Maria. Und das ist wahr. Die Säkularisierung geht so stark weiter: keine Hölle, keinen Himmel, der Mensch ist nur einhochentwickeltes Tier, das alle ungeregelten Leidenschaften, die aus der dreifachen Begierlichkeit stammen, befriedigen soll ? und deswegen ein materialistisches Paradies bauen muss ? das ist das Spiel des Drachen.

Johannes Paul ll. konstatierte in Fatima am 13. Mai 82, dass „viele Menschen und viele Gesellschaften, viele Christen, in die Gegenrichtung von der Botschaft von Fatima gegangen sind. (...) Das Zusammenbrechen der Sitten bringt das Zusammenbrechen der Gesellschaft mit sich" (Insegnamenti 1982,2,1584. 1582).

Das sehen wir jetzt, das erfahren wir. Durch die Leugnung Gottes, durch die Leugnung der Sünde, das ist gerade das Schreckliche, das in diesem 20. Jahrhundert passiert.

Das sagt uns wirklich der Papst nicht ich: „Die Sünde von diesem Jahrhundert ist der Verlust des Sündenbewußtseins" (Betrachtung beim Kreuzweg am Kolosseum in Rom, 28. 3. 1986,1,879). Das behauptete schon früher Pius XII.

Das ist das Spiel des Drachen mit dem Menschen und mit der Menschheit, mit den Nationen. In ihm offenbart der Drache seine große Macht, seine außerordentliche Macht. Die Folgen des Spieles zeigt die Vision der Hölle. Die drei Hirtenkinder von Fatima ? Lucia, Francisco und Jacinta ? haben die Hölle geschaut und viele Seelen in der Hölle. Viele Seelen in diesem 20. Jahrhundert kommen nämlich in die Hölle, weil es angeblich keine Sünde mehr gibt. Die Leute laufen sozusagen zur Hölle.

Dann gibt es auch die irdischen Folgen des Spieles des Drachen, wie zum Beispiel zwei Weltkriege, das Konzentrationslager, Gulage, viele Kriege, die ethnischen Säuberungen, die Verfolgungen, den Terrorismus, die Drogen, die Attentate gegen das Leben von Anfang an, gegen die Familie..., die Drohung von der Selbstzerstörung der Menschheit.

Also das sind die zeitlichen Folgen. Aber sicher ist die schrecklichste Folge die Hölle, die ewige Verdammung der Seelen, gerade in diesem 20. Jahrhundert.
 

Am 13 Mai 82 und am 13. Mai 91 in Fatima betonte der Papst:

Das Kreuz Christi auf dem Kalvarienberg steht im Zentrum der Heils­geschichte von allen Zeiten, also auch des 20. Jahrhunderts. Unter dem Kreuz steht die Muttergottes. Ganz besonders sicher in diesem 20. Jahrhundert, weil ja da das Spiel des Drachen besonders schrecklich ist. Sie ist die Mutter von allen Menschen und Nationen. Sie sieht das Spiel des Drachen. Sie kämpft gegen den Drachen.

„Frau, siehe dein Sohn." Sie ist besorgt um das ewige Heil der Menschen, der Nationen. Sie umarmt mit mütterlicher Liebe die Menschen dieses Jahrhunderts. Was ist der Mensch, wenn der ewige Sohn Gottes selbst Mensch geworden ist und für die Rettung des Menschen am Kreuze gestorben ist? Was ist der Mensch?

Das 20. Jahrhundert: ein Platz des großen Kampfes zwischen Christus und dem Antichrist, zwischen „der Frau, die mit der Sonne bekleidet ist", und dem Drachen, zwischen der Stadt Gottes und der Stadt Babylon.

In diesem Kampf steigen die treuen Christen auf den Kalvarienberg. Das sind die Märtyrer des 20. Jahrhunderts und andere treue Christen. Wir wissen: Es waren sehr viele Märtyrer in diesem 20. Jahrhundert, mehr als in den ersten drei bis vier Jahrhunderten.

Dann: Die treuen Christen steigen auf den Kalvarienberg. Eine besondere Hilfe Gottes, eine unermessliche Gnade: Die Frau, die mit der Sonne bekleidet ist, ist in Fatima herabgestiegen, um allen zu helfen auf dem Weg des ewigen Heiles, das einzig in Christus, dem Gekreuzigten ist. Nur er ist der Heiland mit seinem Kreuz, es gibt keinen anderen Weg.

Am 17 Mai im Jahre 2000 betonte Johannes Paul II.

„Nehmen wir das Licht, das aus Fatima kommt, in uns auf: Lassen wir uns von Maria leiten. Ihr Unbeflecktes Herz sei unsere Zuflucht und der Weg, der uns zu Christus führt.:

Der Kampf ist schrecklich. Die Verführungen sind so teuflisch und so schrecklich. Wir brauchen eine besondere Zufluchtsstätte, und Gott hatsie uns gegeben in diesem Jahrhundert: das Unbefleckte Herz Mariens.

Das zweite Geheimnis von Fatima: Nach dem göttlichen Plan wurde uns das Unbefleckte Herz Mariens geschenkt als Zuflucht für die Kirche im Leiden, in den Verfolgungen.

Und hier sehen wir die Märtyrer, die treuen Christen, die auf den Kalvarienberg gegangen sind mit der Hilfe Mariens. Und sie sind treu geblieben in diesem Kampf! Sie haben nicht versagt, sie sind nicht abgefallen.

3. Das dritte Geheimnis geht in Erfüllung

„Frau, siehe, dein Sohn!' ,Siehe, deine Mutter!' (Joh 19,26?27). Das Heiligtum von Fatima ist ein auserkorener Ort; mit einem besonderen Wert ausgestattet. Fatima hat in sich eine bedeutende Botschaft für die Epoche, in der wir leben. Es ist so, wie wenn hier am Anfang unseres Jahrhunderts die auf Golgotha ausgesprochenen Worte mit einem neuen Widerhall ertönt wären" (Johannes Paul II., Ansprache in Fatima, 13. 5. 1991,1,1233).

In dem apokalyptischen Kampf zwischen der Frau, die mit der Sonne bekleidet ist, und dem Drachen (vgl. Offb 12,1?3) steigt das verfolgte treue Volk Gottes in die Höhen des Kalvarienberges und erlebt so seine Kreuzigung. Es ist eine menschliche, aber vor allem eine große göttliche Prüfung. In ihr will Gott die Kirche und die Menschheit durch ein außerordentliches Eingreifen des Unbefleckten Herzens Mariens retten.

Darum verlangt Gott (nicht Maria) die Weihe an ihr Unbeflecktes Herz. Diese Weihe ist eine besondere Aktualisierung der Worte des gekreuzigten Christus an den Jünger Johannes, der die Kirche und die Menschheit auf Golgotha repräsentiert: „Siehe, deine Mutter" (Joh 19,27).

Auf dem Gipfel des Kalvarienberges steht und leidet die Muttergottes mit ihrem gekreuzigten Sohn Jesus als Mutter der Kirche und der Menschheit ? und das ganz besonders am Ende des zweiten Jahrtausends ? für das ewige Heil der Menschen.

Johannes Paul II. sagte in Fatima am 13. 5. 82:

„Die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen, bedeutet, sich durch die Fürbitte der Mutter der Quelle des Lebens selbst zu nahen, die sich auf Golgotha öffnete. Aus dieser Quelle strömen ununterbrochen die Erlösung und die Gnade. (...)
Die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen, bedeutet unter das Kreuz des Sohnes zurückzukehren. Noch mehr: Es bedeutet, diese Welt dem durchbohrten Herzen des Heilandes zu weihen, und sie so wieder zur Quelle ihrer Erlösung zu bringen. Die Erlösung ist immer größer als die Sünde des Menschen und die ,Sünde der Welt'. Die Kraft der Erlösung übersteigt unendlich die ganze Bandbreite des Bösen, das im Menschen und in der Welt ist" (Insegnamenti 1982,2,1582).

Durch die Weihe an das Unbefleckte Herz der geistlichen Mutter Maria strömt die übergroße Gnade Christi für die Rettung der Kirche und der Menschheit in der apokalyptischen Bedrängnis, in der die Bandbreite des Bösen außerordentlich breit und intensiv ist.

Das dritte Geheimnis zeigt zuerst den Engel mit dem Feuerschwert, aus dem die Flammen gingen. Diese Flammen sollten die Welt anzünden. Und er ruft zur Erde: „Buße, Buße, Buße!"

Diese Perspektive umfängt Fatima von Anfang an bis heute. In dieser Perspektive befindet sich Unsere Liebe Frau, die die Strafe mit ihrer Hand zurückhält. Nämlich in Fatima rief sie alle zur Buße, und zur Umkehr zu Gott. Sonst wird die Strafe kommen: der Zweite Weltkrieg, die Verbreitung des Atheismus, die Verfolgungen der Kirche; die Guten werden gemartert werden.

Das alles ist schon gekommen, weil der Aufruf zur Buße zu wenig angenommen wurde.

Und jetzt ist die Frage: Ist die Buße nach dem Zweiten Weltkrieg in der Kirche gewachsen oder nicht? Was sagen Sie? Hat der Bußgeist nach dem Zweiten Weltkrieg in den christlichen Nationen zugenommen oder abgenommen? Im allgemeinen hat er abgenommen, deshalb ist die Säkularisierung weitergegangen.

So kommen wir zum zweiten Teil des dritten Geheimnisses: Die Prozession der treuen Bischöfe, Priester, Ordensleute und Gläubigen, die auf den Kalvarienberg hinaufsteigen, und voran geht der in weiß gekleidete Bischof, der jetzige Papst. Zugleich geht der Heilige Vater durch eine große Stadt, die halb zerstört ist.

Jetzt stellt sich die Frage: Was ist diese Stadt? Ich habe gedacht: Der Kalvarienberg ist nur in der Kirche. Warum? Weil: Der gekreuzigte und auferstandene Herr lebt nur in der Kirche. Darum ist dieser Kalvarienberg nur in der Kirche. Deswegen ist diese Stadt die Kirche, halb zerstört, weil zu wenig Buße gemacht wird, zu wenige steigen auf den Kalvarienberg.

Der Papst betete für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Wer sind diese Leichen nach Ihrer Meinung? Das sind die geistlich, toten Menschen, die äußerlich lebendig zu sein scheinen durch die sogenannte „Häresie der Aktion" (Pius XII. ). Er begegnet ihnen auf seinem Weg. Überall sieht man ihn mit dem Rosenkranz in der Hand, er betet viel für die Verstorbenen.

Am Berg angekommen, kniete der Papst zu Füßen des großen Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen.

Jetzt kommt die Frage: Passierte das, diese Szene, oder passierte sie noch nicht? Wir lesen den Text der Vision: „Er betete für die Seelen der Leichen, usw. Am Berg angekommen kniete er nieder und... Der Heilige Vater ging durch eine große Stadt, die halb zerstört war undhalb zitternd, mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge   bedrückt, betete er für die Seelen der Leichen."

Meine Frage ist also: Vor dem Attentat, im Jahre 1981, war er zitternd„und mit wankendem Schritt, dass er sich kaum noch' bewegte? War derPapst so oder ist das die Szene des Papstes in den letzten Jahren, wassagen Sie?

In den letzten Jahren haben wir gesehen, wie er kaum noch weitergehen kann, er zittert. Haben Sie gesehen, wie er zittert? Sie sehenalso, das ist die Szene des Papstes von den letzten Jahren.

Jetzt meine Frage: Bei dem Attentat auf dem Petersplatz hat eineGruppe von Soldaten auf den Papst geschossen? (Nein, nur eine Person.) Aber hier steht: eine Gruppe von Soldaten. Und nach dem Attentat ist der Papst am Leben geblieben, während er hier auf dem Gipfel des Kalvarienberges getötet wird: er stirbt.

Darum, ich würde mit Don Gobbi übereinstimmen, dass hier die Vision das Martyrium des Papstes zeigt, das noch nicht geschah. Was weiter geschrieben steht, geschah auch noch nicht: „Genauso starben nach und nach Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen." Das geschieht nach dem Tod des Papstes. Es steht genau im Text: Nach dem Tod des Papstes.

Wir können sagen: Etwas vom dritten Geheimnis realisierte sich schon im 20. Jahrhundert, weil einige Bischöfe, viele Priester, Ordensleute und Gläubige als Märtyrer gestorben sind. Aber das Martyrium von solchen Personen nach dem Tode des jetzigen Papstes geschah noch nicht.

Darum ist es falsch zu meinen: Das dritte Geheimnis ist schon erfüllt, ist schon vorbei, und uns interessiert es nicht mehr. Noch deutlicher: Fatima ist ein abgeschlossenes Ereignis und gehört der Vergangenheit an...

Das Martyrium des Papstes, der Bischöfe, der Priester, der Ordens­leute und der Gläubigen steht uns bevor. Das ist eine systematische Verfolgung, die versucht, die Kirche auszurotten, zu vernichten, was mir wie eine Zusammenfassung von allen Verfolgungen scheint. Die Kirchenväter sprechen von einer solchen Verfolgung in der Zeit des Antichristen.

Das dritte Geheimnis schildert diese Verfolgung und es ist nicht direkt, sondern indirekt, nicht ausdrücklich, sondern implizit, die Rede vom Antichristen, von der Zeit des Antichristen.

Und im Blauen Buch sagte die himmlische Mutter am 11. März 95 in Fatima:

„Deshalb möchte ich euch heute am gleichen Ort, an dem ich erschienen bin, mein Geheimnis offenbaren. Mein Geheimnis betrifft die Kirche. In der Kirche wird der große Abfall, der sich in der ganzen Welt verbreitet, seinen Abschluss finden. Die Spaltung der Kirche wird sich in der allgemeinen Abwendung vom Evangelium und vom wahren Glauben vollziehen. Der Mensch der Sünde, der sich Christus entgegenstellt, wird in sie eintreten und den Greuel der Verwüstung in ihr Inneres hineintragen und so das furchtbare Sakrileg vollenden, von dem der Prophet Daniel gesprochen hat (Mt 24,1 S). Mein Geheimnis betrifft die Menschheit. Die Menschheit wird den Gipfel der Verdorbenheit und Bosheit, der Auflehnung gegen Gott und der offenen Ablehnung seines Gesetzes der Liebe erreichen. Sie wird die Stunde ihres größten Strafgerichtes erleben, das euch vom Propheten Sacharja vorhergesagt worden ist" (Sacharja 13,7?9). 
Nach meiner Meinung spricht die himmlische Mutter hier vom dritten Geheimnis also vom Antichristen, von der Läuterung der Menschheit durch das Feuer. In einem Text im Blauen Buch erklärte die Muttergottes, nämlich am 13. Oktober 94: „Feuer wird vom Himmel herabfallen und die Menschheit wird geläutert und vollkommen erneuert werden, so dass sie bereit sein wird, den Herrn Jesus; der in Herrlichkeit wiederkommen wird, zu empfangen. "

Kardinal Ratzinger sagte ganz offen in seiner Erklärung: Der Engel mit dem Feuerschwert in der linken Hand „erinnert an die analogen Bilder in der Apokalypse. Er stellt die Drohung des Strafgerichtes dar, die über der Welt schwebt.

Die Perspektive, dass die Welt in einem Meer der Flammen zu Asche werden könnte, erscheint heute nicht mehr als eine bloße Phantasie. Der Mensch selbst mit seinen Erfindungen hat das Feuerschwert vorbereitet."

4. Das neue Jerusalem steigt herab

Darm sehen wir, ganz am Ende des dritten Geheimnisses: Unter den beiden Balken des Kreuzes waren zwei Engel. Ein jeder hatte eine Gießkanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten. Hier eröffnet sich eine andere Perspektive: Die Fruchtbarkeit des Leidens der Märtyrer, der Kirche. „Semen est Banguis christianorum" (Der Samen ist das Blut der Märtyrer).
Die erste Perspektive: der Kalvarienberg, Christus am Kreuze, Maria unter dem Kreuze, der Kampf zwischen Christus und dem Antichristen im 20. Jahrhundert, die gekreuzigte Kirche. „Der alte Himmel und die alte Erde gehen vorüber", sagt der Papst. „Das Kreuz auf Golgotha ist das Kreuz unserer Erlösung. Am Kreuze manifestiert sich die ganze Geschichte des Menschen, die zugleich die Geschichte der Sünde und des Leidens ist" (Johannes Paul lI., Ansprache in Fatima, 13. 5. 1991,1,1230).

Die zweite Perspektive eröffnete Johannes Paul II. am 13. Mai 91 in Fatima, mit der er den Horizont des dritten Geheimnisses erweitert hat. „Durch das Kreuz seines Sohnes auf Golgotha wiederholt Gott von Generation zu Generation: ,Seht, ich mache alles neu' (Offb 21,5). Durch das Kreuz auf Golgotha steigt von Gott her in die Geschichte der Menschheit, in die Geschichte von jedem Jahrhundert, ,die heilige Stadt, das neue Jerusalem... gekleidet wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat' (Offb 21,2) hernieder" (Insegnamenti 1991,1,1231).

Was bedeutet diese zweite Perspektive? Wir haben in diesem 20. Jahrhundert eine so große Kreuzigung der Kirche, die noch ihren Höhepunkt erreichen wird. Also: Die Kirche wird dem gekreuzigten Christus mehr und mehr ähnlich, wird auf das Kreuz erhoben. Durch das Kreuz, durch das Leiden des Kreuzes, sozusagen, steigt der auferstandene Christus hernieder. Da gibt es zwei Bewegungen: Aufstieg und Herniedersteigen. Durch das Herabsteigen Christi steigt die Kirche hinauf, also die Kirche erlebt mehr und mehr das Paschamysterium Christi. Und mit dem Herabsteigen Christi steigt das neue Jerusalem vom Himmel herab. Je mehr die Kirche gekreuzigt wird, desto mehr wird dieses Jerusalem herabsteigen, sodass gerade auf dem Höhepunkt der Kreuzigung das Jerusalem vom Himmel ganz herabsteigt und der Sieg des Kreuzes Christi, der Triumph des UNBEFLECKTEN HERZENS MARIENS kommt im Rahmen des Paschamysteriums.

In diesem Jahrhundert erlebt die Kirche eine apokalyptische Bedrängnis, die sich jetzt dem Höhepunkt nähert: Ihr schmerzhaftes Kreuz wächst im gekreuzigten Christus. Zuszleich aber steigt das neueJerusalem vom Himmel herab, kommt die Erneuerung von Gott her: „Der neue Himmel und die neue Erde" (Offb 21,1 ff.): Der auferstan­dene Christus steigt mit seinem glorreichen Kreuz hernieder. So bereitet Gott nach seinem Plan ? durch das Kreuz Jesu, der Muttergottes und der Kirche ? den neuen Himmel und die neue Erde.

In dieser Betrachtungsweise kann man die Szene des Engels mit dem Feuerschwert, mit dem er die Erde anzünden sollte, verstehen. Das ist eine apokalyptische Strafe, die noch nie in der Geschichte war. Es gab die Sintflut, aber nicht die Strafe mit dem Feuer.

Und hier gibt es einen Text vom hl. Irenäus von Lyon, Bischof, Märtyrer, gestorben im Jahr 200. Er schreibt: Einige Propheten „haben Christus als Menschensohn gesehen, der auf den Wolken gekommen ist (vgl. Dan 7,13: ,Da kam mit den Wolken des Himmels / einer wie ein Menschensohn.') und sagten von ihm: ,Und sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben' (Sach 12,10 ). Damit bezeichnen sie seine Ankunft, von der er sagt: ,Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?' (Lk 18,8). Und Paulus sagt von derselben Ankunft: ,Denn es entspricht der Gerechtigkeit Gottes, denen mit Bedrängnis zu vergelten, die euch bedrängen, euch aber, den Bedrängten, zusammen mit uns Ruhe zu schenken, wenn Jesus, der Herr, sich vom Himmel her offenbart mit seinen mächtigen Engeln in loderndem Feuer."` (2 Thess 1,6?8) (Adversus haereses 4,33,11).

Die Ankunft des Herrn im Feuer: Feuer ist Zeichen der Theophanie, das steht auch in Jesaja 66,15. Also die große Reinigung der Erde im Feuer, wenn der große Tag des Herrn aufleuchten wird. Und hier zitiert Irenäus Jesaja 13,9: Der Prophet spricht von dem großen Tag des Herrn. Und auch Irenäus spricht von einer großen Sintflut des Feuers, mit dem Christus die ganze Welt läutern wird, um sein herrliches Reich zu errichten.

Der hl. Augustinus beschreibt in seinem großen Werk „Die Stadt Gottes" die Verfolgung der Kirche in der Zeit des Antichristen von außen und von innen. Und dann zitiert er Offb 20,9: „Aber Feuer fiel vom Himmel und verzehrte sie" (die Feinde der Kirche).

Dann heißt es im z. Thessalonicher Brief 2,8: „Jesus, der Herr, wird ihn (den Antichristen) durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten." „Der Hauch Christi bei seiner Wiederkunft" bedeutet das zweite Pfingsten, eine außerordentliche Ausgießung des Heiligen Geistes, die die ganze Erde ? die Kirche und die Menschheit ? bis zum Grunde läutern und erneu­ern wird.

In der großen apokalyptischen Bedrängnis steigt die mit der Sonne bekleidete Frau nach dem göttlichen Plan vom Himmel herab, um der Kirche mütterlich bei ihrem Aufsteigen auf den Kalvarienberg und in der schrecklichen Schlacht mit den Mächten der Finsternis zu helfen und sie auf die Rückkehr Jesu Christi in Herrlichkeit vorzubereiten.

Denn durch das große Leiden der heutigen Kirche in der ganzen Welt, nähert sich - durch das Unbefleckte Herz Mariens - das herrliche Reich Christi. Das Sonnenwunder in Fatima kündigt die Ankunft der Sonne der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit an: die Strafe in der außerordentlichen Manifestation der göttlichen Gerechtigkeit in der ganzen Welt und die Rettung im größten Wunder der göttlichen Barmherzigkeit in der ganzen Welt. Dann wird aus dem Baum des herrlichen Kreuzes im Herzen des Gottmenschen und im Unbefleckten Herzen der Mutter Maria der schönste Frühling im Herzen der Kirche aufblühen, in der die ganze Menschheit, die überlebt hat, gesammelt wird. Das Blut von vielen Märtyrern wird fruchtbar sein.

In einer Ansprache kurz vor seinem Tod, eilt Pius XII., innerlich erleuchtet, geistig seiner Zeit weit voraus, und bewegt sich in der Richtung, die im dritten Geheimnis von Fatima angegeben ist. Der Papst prophezeit, dass nach dem großen derzeitigen Winter ein fruchtbarer und lichtvoller Sommer kommen wird: „Der Sommer ist nahe" (Mt 24,32)

Indem der Papst diese Worte aus der eschatologischen Rede Jesu zitiert, deutet er an, dass der jetzige Winter apokalyptisch ist (vgl. Mt 24,15 ff.), der der Rückkehr des Herrn in Herrlichkeit vorangeht. Dann sagt der Heilige Vater unter anderem: „Tausende von moder­nen Irrtümern sind duruh ihr Scheitern selbst bestraft wor­den (...). Andere Irrtümer müssen noch verschwinden; Götzenbilder müssen stürzen und zügelloser Ehrgeiz muß gebrochen werden. Dieser Zusammenbruch wird umso schwindelerregender sein, je größer die Kühnheit gewesen ist, sich mit Gott zu messen. Dann wird der Sommer kommen und uns eine überreiche Ernte bringen, und die Erde, mit Tränen getränkt, wird in Perlen der Liebe lächeln, ? und vom Tau des Blutes der Märtyrer benetzt, sprießt sie die Christen hervor" (Pius XII., Ansprache vom 19. 3. 1958: Discorsi XX,25).

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