Exerzitien für Priester der MARIANISCHEN PRIESTERBEWEGUNG unter der Leitung von Hw. Herrn Univ. Prof. Dr. Ivan Pojavnik (Verantwortlicher der MPB für Slowenien) in Mariazell vom 25. - 28. Oktober 2000

DIE KIRCHE ERLEBT FATIMA
 
 

Erster Vortrag:

DIE KIRCHE ERLEBT FATIMA 

 

1. Ein großes Zeichen am Himmel

 

2. Die Kirche erlebt Fatima 

 

3. Johannes Paul II. und Fatima


 
 
 
 
 
 

 1. Ein großes Zeichen am Himmel.

„ Hier habe ich vor nunmehr 25 Jahren meine MARLANISCHE PRIESTERBEWEGUNG entstehen lassen, damit die Botschaft von Fatima, die oft angefochten und von vielen abgelehnt wird, sich in euren Tagen voll erfüllt.
Diese ihre Erfüllung ist notwendig für euch, meine Söhne, die ihr so bedroht und heimgesucht seid, damit ihr das Heil erlangen könnt.

Diese ihre Erfüllung ist notwendig für die Kirche, die so verwundet und gekreuzigt wird, damit sie aus ihrer schmerzhaften und blutigen Prüfung ganz schön, ohne Makel und Runzeln, nach dem Vorbild ihrer himmlischen Mutter, hervorgehen kann.

Diese ihre Erfüllung ist notwendig für die ganze Menschheit, damit sie in die Arme ihres Vaters zurückkehren und die neuen Zeiten ihrer vollen Gemeinschaft der Liebe und des Lebens mit ihrem Gott und Herrn erleben kann" (Blaues Buch, B. Mai 1997).

Die Botschaft von Fatima bezieht sich auf die Kirche und auf die Menschheit in dieser Phase der Heilsgeschichte. Die MAMANISCHE PRIESTERBEWEGUNG (MPB) ist wesentlich mit der Botschaft der Muttergottes in Fatima verbunden. Die Bewegung ist in Fatima entstanden. Die Bewegung wurde außerordentlich von der Muttergottes ? nicht von Don Stefano Gobbi ? in allen Teilen der Welt verbreitet; vom Himalaja bis zu den Anden, von Europa bis Afrika, von Australien bis zu den Fidji-Inseln, von Nord-Amerika bis China

und Sibirien, überall ... Die MPB ist gleichsam eine Fortsetzung von Fatima. Die Muttergottes ist sozusagen vom Himmel herabgestiegen, damit sich ihre Botschaft von Fatima erfüllen kann. Dieses Herabsteigen Mariens ist ein Wunder der Barmherzigkeit der Heiligsten Dreifaltigkeit. Also die Heiligste Dreieinigkeit sendet Maria.

Und jetzt fragen wir uns, liebe Brüder, in welcher Phase der HeiIsge-schichte befinden wir uns heute eigentlich? In welcher Phase, in der eigentlich die Botschaft von Fatima in Erfüllung gehen soll?

Im Blauen Buch wird am 13. Mai 1994 gesagt:

„In eurer Zeit verwirklicht sich die Botschaft, die ich euch in Fatima gegeben habe, und gegen die mein Widersacher sich entfesselt hat. Sie wird aber jetzt in ihrer außerordentlichen Bedeutung für die Kirche und die gesamte Menschheit offenkundig werden. Es ist eine apokalyptische Botschaft. Sie betrifft das Ende der Zeiten. Sie kündet und bereitet die Wiederkunft meines Sohnes Jesus in Herrlichkeit vor. "

Die Botschaft von Fatima ist also eine apokalyptische Botschaft. Die Erscheinungen der Muttergottes in Fatima sind ihr größtes Eingreifen nach dem Tode der Apostel, und die Fatima-Botschaft ist auch die größte Botschaft, die nach dem Tode der Apostel gegeben wurde.

Und diese Botschaft hat ihre Bestätigung durch das Lehramt der letzten Päpste bekommen.

Das apostolische Schreiben von Paul Vl. „Signum magnum in caelo ", erschien gerade am 13. Mai 1967. Es war der 50. Jahrestag der ersten Erscheinung der Muttergottes in Fatima, und der Papst selbst war an diesem Tag als Pilger dort. Sein apostolisches Schreiben beginnt mit der Geheimen Offenbarung 12,1: „Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet".

Was wollte Paul VI. damit sagen? Er wollte erklären: Wir leben in der Zeit der Geheimen Offenbarung. Das Sonnenwunder von Fatima sah er in Beziehung zur Geheimen Offenbarung 12,1. Es erfüllt sich das letzte Buch der Heiligen Schrift.

Auf dieser Linie von Paul VI. bewegt sich Johannes Paul II. in seiner Botschaft an den Bischof von Leiria-Fatima, am 12. 5. 97, anläßlich der Feier des 80. Jahrestages der ersten Erscheinung in Fatima. Der Papst beginnt sein Schreiben mit den Worten der Geheimen Offenbarung 12,1: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt." „Diese Worte der Apokalypse kommen mir ins Gedächtnis, die sich 80 Jahre nach der ersten Erscheinung der Jungfrau Maria an die drei Hirtenkinder in der Cova da Iria am 15. Mai 1917 erfüllen. Die Botschaft, die die heilige Jungfrau damals an die Menschheit richtete, ertönt weiter mit ihrer ganzen prophetischen Kraft" (Insegnamenti di Giovanni Paolo II., 1997,1,1173).

Die Botschaft von Fatima ist also eine prophetische Botschaft. Dann in der Predigt am 13. 5. 2000 in Fatima sagte Johannes Paul II.: „Nach dem göttlichen Plan ist ,eine Frau mit der Sonne bekleidet' (Offb 12,1) vom Himmel auf diese Erde herabgekommen, um die vom Vater bevorzugten Kleinen aufzusuchen."

Das sagt der Papst als Hirt der Gesamtkirche. Das bedeutet: Es erfüllt sich die Geheime Offenbarung 12,1. Nach dem göttlichen Plan ist eine Frau, mit der Sonne bekleidet, herabgestiegen.

Am 13. Mai 82 in Fatima sagte Johannes Paul II. in seiner Predigt: „Anerkennen wir die unermessliche Gnade, die den Menschen ge­schenkt wurde, als am Horizont des Glaubens unserer Zeit ,dieses große Zeichen' aufleuchtete: ,eine Frau' !" (Offb 12,1) (Insegnamenti 1982,2,1585).

 Johannes Paul II., Text vom 12. 5. 1997, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, XX,1 (1997) 1173. Die „Insegnamenti di Giovanni Paolo II" sind gesammelte Werke des jetzigen Papstes, die von der „LIBRERIA EDITRICE VATICANA" herausgegeben sind. Gewöhnlich erscheinen jedes Jahr zwei Bände, die einen Jahrgang umfassen. Bis jetzt sind insgesamt 44 Bände für die Periode von 1978 bis 1998 erschienen, die erste Hälfte: das sind insgesamt 68.043 Seiten. Im weiteren Text zitiere ich die Werke des Papstes gekürzt, zum Beispiel nehme ich schon das oben erwähnte Zitat: Insegnamenti 1997 (=Jahrgang), 1 (=Band), 1173 (=Seite).

Schlugfolgerungen aus allen Postzitaten:

Erstens: Mit der Fatima-Erscheinung der Muttergottes beginnt die Zeit der Apokalypse, der Erfüllung des letzten Buches der Heiligen Schrift. Die Fatimabotschaft ist eine prophetische Botschaft, die sich auf die Geheime Offenbarung bezieht, darum ist sie eine apokalyptische Botschaft.

Zweitens: Diese Botschaft, und damit die Erscheinungen der Mutter­gottes in Fatima, können nur im Horizont des göttlichen Glaubens auf­leuchMaria ist nach dem göttlichen Plan herabgestiegen. Wer kann den Plan des unendlichen, ewigen Gottes ergründen? Wer kann das? Kein Mensch kann das. Er ist verborgen in Gott. Im unendlichen, ewigen Gott.

Also Maria ist nach dem göttlichen Plan, nicht nach den menschlichen Plänen, gekommen

Drittens: Das Herabsteigen der Muttergottes ist eine unermeßliche Gnade Gottes. Maria ist vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist geschickt worden. Ihre Sendung betrifft die Kirche und die Mensch­heit in der Zeit des apokalyptischen Geschehens.

Viertens: Die Jungfrau Maria ist die Frau der Offenbarung, der Geheimen Offenbarung. Die Frau, die mit der Sonne der unbegreifli­chen Dreieinigkeit bekleidet ist. Nur durch sie wird die Geheime Offenbarung, der göttliche Plan, der gerade diese Zeiten betrifft, offenbar, verständlich gemacht, begreiflich. Sonst ist dieser Plan unbegreiflich. Er wird zugänglich ? sonst ist er unzugänglich ? aber: zugänglich im Horizont des Glaubens.

2.Die Kirche erlebt Fatima
 

Das Herabsteigen der Muttergottes in Fatima ? und die Offenbarung ihres Unbefleckten Herzens als sichere Zufluchtsstätte für die Kirche und die Menschheit ? ist eine unermeßliche Gnade Gottes gerade für die apokalyptische Zeit.

Das große Zeichen am Himmel kann man nur im Glauben „lesen". Doch hat die Botschaft von Fatima ihre große Bestätigung im Leben der Kirche im 20. Jahrhundert. „Die Kirche erlebt Fatima", betont der Heilige Vater Johannes Paul II. Es gibt eine Erfahrung der Kirche bezüglich Fatima.

Das Zweite Vatikanische Konzil sagt in der Konstitution über die göttliche Offenbarung: „Christus ist die endgültige Fülle der Selbstoffenbarung Gottes. Nach dem Tod der Apostel gibt es keine neue öffentliche Offenbarung mehr" (vgl. Nr. 4).

Aber in der Konstitution Nr. 8 lesen wir: „Das Verstehen der Offen­barung wächst in der Kirche". Es gibt eine Dogmenentwicklung, da gibt es Konzilien, also das Lehramt usw., das entwickelt sich. Und es gibt die sogenannten Privatoffenbarungen. Die Kirche richtet sie nach dem Kriterium der Übereinstimmung mit der einzigen öffentlichen Offenbarung.

Das geschah auch in Beziehung zu Fatima: Stimmt sie, diese Offenbarung, oder stimmt sie nicht? Sie stimmt, sagt die Kirche. Sie ist im Einklang mit der einzigen göttlichen Offenbarung.

Am 13. Mai 82 sagte Johannes Paul II. in Fatima: „Wenn die Kirche die Botschaft von Fatima angenommen hat, geschah es vor allem des­halb, weil sie eine Wahrheit und einen Ruf enthält, die nach ihrem Grundinhalt die Wahrheit und der Ruf des Evangeliums selbst sind: ,Bekehrt euch (tut Buße) und glaubt an das Evangelium' (Mk 1,15). Das sind die ersten Worte, die der Messias an die Menschheit richtete. Die Botschaft von Fatima ist nach ihrem grundsätzlichen Kern der Ruf zur Bekehrung und zur Buße wie im Evangelium" (Insegnamenti 1982,2,1580).

Dieser Ruf erklang am Anfang des 20. Jahrhunderts und bezieht sich ganz besonders auf das 20. Jahrhundert. Warum wurde dieser Ruf, also die Botschaft von Fatima so wenig angenommen in der Kirche. Wir wissen, daß in diesem Jahrhundert die größte Säkularisierung im Gange ist, darum wurde dieser Ruf wenig angenommen in diesem Jahrhundert. Wir erleben ?ja die größte Glaubenskrise in der Kirche von Anfang ihrer Geschichte an, den größten Glaubensabfall vom Evangelium.

Von vielen wurde die Botschaft sogar nicht ernst genommen. Die Muttergottes sagte die Worte, die viel erklären: „Satan hat sich entfesselt gegen meine Botschaft von Fatima."

Und im Blauen Buch am 13. Mai 90, sagte die Muttergottes, gerade in Fatima, es war der Jahrestag ihrer ersten Erscheinung in Fatima: „Ich bin vor 73 Jahren in diese Cova da Iria vom Himmel herabgestiegen, um euch den Weg zu zeigen, der im Laufe dieses eures schwierigen Jahrhunderts zu durchlaufen ist. Die so schmerzhaften Wechselfälle, die aufeinander folgten, haben sich so entwickelt, daß sich die Worte meiner Prophezeihung voll verwirklicht haben. Die Menschheit hat meine mütterliche Einladung, zum Herrn auf den Weg der Bekehrung des Herzens, und des Lebens des Gebetes und der Buße zurückzukeh­ren, nicht angenommen. So hat sie die furchtbaren Jahre des Zweiten Weltkrieges kennen gelernt, der Dutzende von Millionen Toten mit sich gebracht hat, verbreitete Vernichtung von Völkern und Nationen.

Rußland ist mir durch den Papst mit allen Bischöfen nicht geweiht worden, und so hat es die Gnade der Bekehrung nicht gehabt und hat seine Irrtümer in allen Teilen der Welt verbreitet, indem es Kriege, Gewalttaten, blutige Revolutionen, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters hervorgebracht hat. "

Am 15. Mai 91, nach der Pilgerreise nach Fatima hat Johannes Paul II. bei der Generalaudienz gesprochen, daß gerade im Jahr der Erscheinungen die bolschewistische Revolution in Rußland war:

„Die Mutter der Menschen und der Völker hat den einfachen Kindern in Fatima eine Botschaft übergeben, die nach ihrem wesentlichen Inhalt eine Erinnerung an die Worte Christi ist: ,Bekehrt euch, und glaubt an das Evangelium! Das Reich Gottes ist nahe' (Mk 1,15).

Der Ruf zur Bekehrung, zur Buße und zum Gebet ist eine Grund­wahrheit des Evangeliums. Das bestätigt die Kirche. Also die Botschaft von Fatima hat ihre Bestätigung. Um diese Tatsache ent­wickelte sich in unserem Jahrhundert das Erleben von Fatima von

seiten der Kirche, das mit einer besonderen Hingabe an das Herz der Mutter des Erlösers verbunden ist" (Insegnamenti 1991,1,1254).

Also es gibt ein Erleben, eine Erfahrung der Kirche hinsichtlich Fatima und das ist verbunden mit einer besonderen Hingabe: mit der Weihe an das Unbefleckte Herz der Mutter der Erlösers.

Die Kirche erlebt Fatima und da gibt es verschiedene Tatsachen:

1) Die Botschaft von Fatima ist eine Erinnerung, noch mehr eine Aktualisierung von Mk 1,15. Und das ist sie wesentlich. ?Daher hat sie ihre Bestätigung im Evangelium.

So sagte der Heilige Vater nach der Wallfahrt nach Fatima am 19. Mai 82: „Die Botschaft, die im Jahr 1917 aus Fatima gekommen ist, betrachtet im Licht der Glaubenslehre, enthält in sich die ewige Wahrheit des Evangeliums, welche auf eine besondere Weise auf die Bedürfnisse unserer Epoche appliziert wird" (Insegnamenti 1982,2,1758).

Dazu noch: Die Erscheinungen in Fatima sind eine Aktualisierung der Geheimen Offenbarung 12,1: ein Herabsteigen der Muttergottes, der Frau, die mit der Sonne bekleidet ist.

2) Die Botschaft von Fatima hat ihre Bestätigung in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, und das bezeugt die Erfahrung der Kirche.

In diesem Sinne könnte man fast sagen, daß sie mehr als eine private Offenbarung, mehr als nur eine lokale Offenbarung ist.

Sie ist „mehr" in dem Sinne, weil sie von der Kirche angenommen wurde, weil sie durch die Erfahrung der Kirche bestätigt wurde, und weil sie wesentlich die Kirche betrifft, weil sie eine besondere Aktualisierung des Evangeliums ist.

Am 17. Mai im Jahre 2000, also nach der Pilgerreise nach Fatima, sagte Johannes Paul II: „Aus Fatima breitet sich eine Botschaft der Umkehr und der Hoffnung in die ganze Welt aus, die in der Harmonie mit der christlichen Offenbarung tief in der Geschichte eingefügt ist."

3) Die Kirche erlebte die Botschaft von Fatima auch im Zweiten Weltkrieg, der dort angekündigt war. Fatima wurde nicht angenommen, dann ist der Zweite Weltkrieg gekommen. Die Erfahrung der Kirche, die Erfahrung der Menschheit: Dutzende von Millionen von Toten... Und dazu noch eine viel schrecklichere geistliche Zerstörung, deren Folgen auch wir tragen.

 

lso die Botschaft von Fatima erfüllt sich in der Kirche und in der Menschheit. Während des Krieges sah Papst Pius XII., daß die Botschaft von Fatima in Erfüllung geht, darum weihte er am 31. Oktober 1942 die Kirche und die Menschheit dem Unbefleckten Herzen Mariens.

4) Die Kirche erfährt Fatima, nämlich die weltweite Ausbreitun des Atheismus im 20. Jahrhundert

Im Jahre 1917 geschah die kommunistische bolschewistische Revolution in Rußland, dann die systematische Verbreitung des Atheismus im Osten und im Westen.

Die Muttergottes sagte in Fatima: „Wenn man meine Forderungen beachtet, wird Rußland sich bekehren... Wenn man das aber nicht tut, dann wird es seine Irrtümer in der Welt verbreiten.

Heute stellen wir fest: Die Forderungen wurden nicht beachtet und aus Rußland verbreitete sich der systematische Atheismus in der ganzen Welt und herrscht jetzt überall im Westen und im Osten. Die Kirche erlebt Fatima, erlebt die Erfüllung der Botschaft von Fatima: die größte Invasion des Atheismus in der Geschichte und den Abfall von Gott.

5) Es ist interessant zu bemerken daß auch das Zweite Vatikanische Konzil mit Fatima verbunden ist Gerade am Höhepunkt des Konzils, am 21. November 1964, promulgierte (= bestätigte) Papst Paul VI. die Hauptkonstitution des Konzils „ Lumen gentium ". Dann proklamierte er feierlich die Lehre, daß Maria die Mutter der Kirche ist, und erneuerte die Weihe von Pius XIL an das Unbefleckte Herz Mariens, die Weihe der Kirche und der Menschheit.

Und er sandte der Muttergottes nach Fatima eine goldene Rose.

So sehen wir den Höhepunkt des Konzils und auch die Proklamation „Maria ist Mutter der Kirche", verbunden mit der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens. So erlebt die Kirche, auch das Zweite Vatikanische Konzil, die Botschaft von Fatima.

 

3. Johannes Paul II. und Fatima

Fatima ist in einer besonderen Weise durch den Heiligen Vater Johannes Paul II. in die gelebte Erfahrung der Kirche eingetreten. Ich würde sagen, daß Fatima auf diese Weise durch die „Haupttüre" eingetreten ist, weil der Papst der Hirt der Gesamtkirche ist.

Johannes Paul II. sagte nach der Fatimareise, bei der Generalaudienz am 15. Mai 91:

„Vor zehn Jahren wurde ich in die gelebte Erfahrung von Fatima von seiten der Kirche eingeführt. Das geschah am 13. Mai nachmittags, am Petersplatz: Das Attentat gegen das Leben des Papstes. Gleichzeitig erinnerte die Menge der Pilger in Fatima an das Ereignis, das sich dort am 13. Mai 1917 vollzogen hat" (Insegnamenti 1991,1,1254).

Das Attentat geschah zur gleichen Zeit, als die Muttergottes in Fatima erschienen ist, zur gleichen Stunde. Und das Attentat geschah um 17,17 Uhr.

Damit hat die Einführung, also die große Einführung, die grundlegende Einführung des Heiligen Vaters in die Botschaft von Fatima begonnen. Nach dem Attentat hat Johannes Paul II. zuerst an Fatima gedacht: „Als ich zu Bewußtsein kam, gingen meine Gedanken unmittelbar zum Heiligtum von Fatima, um meinen Dank in das Herz der himmlischen Mutter zu legen, daß sie mich aus der Gefahr rettete."

Nach dem Attentat hat der. Papst die ganze Dokumentation über Fatima, auch das dritte Geheimnis, gelesen. Er betrachtete fast fünf Monate lang die Botschaft von Fatima im Leiden und im Gebet. Das war seine grundlegende Einführung.

Und dann bei den ersten zwei Generalaudienzen am 7. 10. und 14. 10. 1981 sprach Johannes Paul II. über diese Einführung:

„In den letzten Monaten habe ich an einer großen göttlichen Prüfung teilgenommen. Ich sage: göttliche Prüfung. Obwohl nämlich die Ereignisse am 13. Mai ? das Attentat gegen das Leben des Papstes und auch seine Folgen, verbunden mit dem Eingreifen und der Behandlung

in der Poliklinik Gemelli ? eine volle menschliche Dimension haben, kann diese doch nicht eine noch tiefere Dimension verdunkeln: Die Dimension der Prüfung, die von Gott erlaubt war" (Ansprache vom 14. 10. 1981, 2,409).

1) Das Attentat hatte nicht nur eine menschliche Dimension. Was am Petersplatz geschah, das hat eine tiefere Dimension. Das ist eine göttliche Dimension. Eine Prüfung des Nachfolgers Petri und des Bischofs von Rom, die Gott erlaubt hat.

Er selbst sagt, daß es schwierig ist, diese göttliche Dimension zu erkennen.

2) In dieser göttlichen Dimension erlebte der Papst etwas ähnliches wie der hl. Petrus, den Herodes ins Gefängnis steckte, um ihn um­zubringen, und er wurde auf wunderbare Weise gerettet und sagte: „Nun weiß ich wahrhaftig, daß der Herr seinen Engel gesandt und mich der Hand des Herodes entrissen hat und all dem, was das Volk der Juden erhofft hat" (Apg 12,11; vgl. 12,3-11).Herodes wollte die erste Kirche zerstören, und darum hat er Petrus eingesperrt. Und was erwartete die Synagoge? Die Synagoge er­wartete den Tod des Petrus. Er war der Hauptgegner der Synagoge, die Kirche war die Hauptgegnerin der Synagoge.

Das Attentat auf Papst Johannes Paul II. besagt dasselbe: Die Mächte der Finsternis wollen die Kirche vernichten. Deswegen organisierten sie das Attentat auf den Papst.

Selbst der hl. Augustinus sagt ja: „Der Papst ist eine Gestalt der Kirche", er repräsentiert die ganze Kirche.

Das Attentat bedeutet also: Die Kirche befindet sich in dieser Zeit in einer Todesgefahr. Das Attentat zeigt diese gefährliche Lage der Kirche. Wie die erste Kirche für Petrus betete, der eigentlich im Gefängnis war, so muß jetzt die Kirche für seinen Nachfolger beten.

3) „Das Leiden nach dem Attentat war für mich eine besondere Gnade Gottes", sagte der Papst. „Ich konnte seine Wahrheit, seine Liebe bezeugen. Wie viele das schon getan haben, viele Märtyrer, Päpste, vor mir." Also: ein Märtyrer.

Und dann: Die wunderbare Rettung Petri aus dem Gefängnis, aus der Todesgefahr, und so ist auch jetzt etwas ähnliches geschehen: „Durch die besondere Gnade Gottes wurde ich gerettet. "

4) Der Papst wurde auch durch ein besonderes Einreifen der Muttergottes gerettet. Er selbst sagte: „Eine Hand hat geschossen und eine mütterliche Hand hat den Weg der Kugel geleitet und der sterbende Papst ist an der Schwelle des Todes stehen geblieben" (Betrachtung mit den italienischen Bischöfen, 13. 5. 1994,1,1061).

Ja, die Hand Mariens, also die Muttergottes von Fatima, hat die Kugel geführt.

So wurde Johannes Paul II. in die Erfahrung von Fatima von seiten der Kirche eingeführt, „die mit einer besonderen Hingabe an das Herz der Mutter des Erlösers verbunden ist. Die göttliche Vorsehung ermög­lichte mir, ein Zeuge auf eine besondere Weise von solcher Erfahrung zu werden" (Generalaudienz, 15. 5. 1991,1,1255). Also ein Zeuge.

Durch das Attentat und durch das darauffolgende Leiden wurde der Heilige Vater, das sichtbare Haupt der Kirche, viel mehr als irgend jemand in die Erfahrung, in das Geheimnis der Botschaft von Fatima eingeführt, in das Unbefleckte Herz der Muttergottes und der Kirche eingeführt. Und auch in ihre Rolle in dieser apokalyptischen Zeit.

Von wem wurde er eingeführt? Von Gott selbst. Und es ist interessant, daß er auf dem Kalvarienberg eingeführt wurde.

So ist Johannes Paul ll. der erste Zeuge, Blutzeuge, von Fatima geworden, der schon früher „TOTUS TUUS" war. Aber sehen Sie, auch er brauchte eine große Einführung in diese Botschaft. Die Botschaft ist so groß. Also er wurde vom Heiligen Geist eingeführt.

Am 12. Mai 82 sagte Johannes Paul II. selbst in Fatima vor der Erscheinungskapelle: „In dem Zusammenfallen ? es gibt kein einfaches Zusammenfallen in den Plänen der göttlichen Vorsehung ? habe ich auch einen Aufruf gesehen und ? wer weiß ? einen Aufruf, meine

Aufmerksamkeit der Botschaft von Fatima zuzuwenden, die von hier vor 65 Jahren ausgegangen ist" (Insegnamenti 1982,2,1544).

Der Papst will sagen: Mit dem Attentat wurde die ganze Kirche auf die Botschaft von Fatima aufmerksam, und ich selbst.

5) „In der Liturgie von Fatima zeigt uns das Buch der Apokalypse die Muttergottes nicht nur als ,die Frau die mit der Sonne bekleidet ist,' sondern zugleich auch als ,die Frau, die mit allen tödlichen Bedrohungen gegen ihre Kinder, die sie in Schmerzen gebärt,' verbunden ist." (Generalaudienz nach Pilgerreise nach Fatima, 15. 5. 1991,1,1250). Also es gibt diese tödlichen Bedrohungen gegen die Kinder Gottes, gegen die Kinder Mariens. Aber die Muttergottes ist mit ihren Kindern, weil sie diese Kinder in Schmerzen gebärt, verbunden.

Und, Sie kennen diese „Litanei ", nämlich die Litanei der Bedrohun­gen, die der Papst aufzählt nach der Weltweihe am 13. Mai 82. Diese tödlichen Bedrohungen „scheinen die Wege in die Zukunft zu ver­schließen," sagt der Papst.

Und der Papst wendet sich an das Unbefleckte Herz Mariens:

„ Von Hunger und Krieg: befreie uns!

Von Atomkrieg, von unberechenbarer Selbstzerstörung und jeder Art des Krieges: befreie uns!

Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: befreie uns!

Von der Leichtfertigkeit, die Gebote Gottes zu übertreten: befreie uns! Von den Sünden gegen den Heiligen Geist: befreie uns, befreie uns!"

Das sind diese tödlichen Bedrohungen der Kirche und der Menschheit. Eine Gefahr der Selbstzerstörung der Menschheit, über die der Papst mehrmals gesprochen hat.

Also es ist kein Zufall, sagt der Papst nach dem Attentat, daß das Attentat gerade am 13. Mai geschah. Das ist göttliche Vorsehung, die hat es so zugelassen.

Und es ist kein Zufall, daß das Attentat gerade um 17 Uhr und 17 Minuten erfolgte, weil wir wissen ja, daß im Jahre 1717 die Freimaurerei gegründet wurde.

Und jetzt bedroht die Freimaurerei die Kirche von innen und von außen, tödlich. Darum war das Attentat gerade um 17,17 Uhr.

Und wir kennen die Botschaften von den apokalyptischen Tieren im Jahre 89: die Bedrohung durch diese Tiere.

Sie verstehen, daß jetzt die Zeit der großen Prüfung gekommen ist. Und hier sollen wir nicht nur die menschliche Dimension sehen, das ist sicher falsch. Wir müssen die göttliche Dimension erkennen. Die Prüfung ist von Gott für die ganze Kirche zugelassen: für den Papst, für die Bischöfe, für die Priester, für die Ordensleute, für die Gläubigen, damit sie alle für Gott, also für seine Wahrheit und Liebe Zeugnis ablegen können.

Das ist die große, von Gott erlaubte, von Gott geführte Prüfung. Und der Papst „als Haupt der Kirche" wurde als erster geprüft.

6) Gott will in dieser tödlichen Gefahr die Kirche und die Menschheit retten. Sicher durch ein außerordentliches Eingreifen. Aber er will das durch das Unbefleckte Herz der Mutter der Kirche und der Menschheit tun.

Deshalb verlangt Gott eine besondere Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens ? nämlich die Weihe!

Nicht Maria verlangt diese Weihe. Gott verlangt sie, Gott! Von allen verlangt er diese Weihe: vom Papst, von den Bischöfen, von den Priestern, von den Ordensleuten, von den Laien. Gott verlangt sie. Passen sie auf, Gott! Das ist eine göttliche Prüfung ? für die ganze Kirche.

Aus den Leiden des Papstes, aus seiner Einführung in das Geheimnis von Fatima, ist seine Verwirklichung von der Botschaft von Fatima erwachsen. Besonders die Realisierung der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens. Das ist sicher ein großes Werk Gottes.

 Wir verstehen heute noch wenig, aber in den nächsten Jahrhunderten wird das sehr klar werden. Wir sind erst am Anfang von diesem großen Werk Gottes.

a) Die Weihe des Menschengeschlechtes, also der Kirche und der Menschheit, an das Unbefleckte Herz der Gottesmutter Maria in Fatima am 13. Mai 82. Der Papst hat diese Weihe vollzogen, und er lud auch die Bischöfe der ganzen Welt zu dieser Weihe.

b) Er wiederholte diese Weihe am 25. März 84 in Rom vor der Statue der Muttergottes von Fatima. Am Petersplatz, ? interessant ? am Petersplatz, wo gerade das Attentat gegen ihn geschah, wollte er diese Weihe zusammen mit allen Bischöfen vollziehen.

c) Und dann, jetzt am B. Oktober 2000 beim Jubiläum der Bischöfe, erneuerte der Papst in gewissem Sinn diese Weihe. Aber er hat Rußland nicht erwähnt. Vielleicht konnte er das nicht machen, weil zu wenige Bischöfe da waren.

d) Dann am 13. Mai in diesem Jubiläumsjahr in Fatima die Selig­sprechung von den zwei Kindern, den Sehern von Fatima. Johannes Paul II. betonte in der Predigt: „Die Kirche will mit diesem Ritus diese zwei Kinder auf den Leuchter stellen, den Gott entzündet hat, um die Menschheit in ihren dunklen und sorgenvollen Stunden zu erleuchten."

Wir erleben diese Stunde, die dunkle Stunde, aber wir sollen auf diese Kinder schauen, wie sie sich in der Prüfung benommen haben: sie sind für uns ein Vorbild.

7) Beim Attentat wurde Johannes Paul II. auf eine wunderbare Weise gerettet und dann tief in das Unbefleckte Herz Mariens und in ihre Botschaft von Fatima eingeführt. Warum? Damit er in diesen schwieri­gen Jahren der tödlichen Bedrohungen als Gesamthirt das pilgernde Volk Gottes auf dem Weg des Unbefleckten Herzens Mariens, der mit der Sönne bekleideten Frau, führen könne.

Das ist in der apokalyptischen Situation der rettende Weg, der uns zu Christus bringt: „Nehmen wir das Licht, das aus Fatima kommt, in uns auf: Lassen wir uns von Maria leiten. Ihr Unbeflecktes Herz sei unsere

Zuflucht und der Weg, der uns zu Christus führt" (Johannes Paul II., Generalaudienz nach der dritten Pilgerreise nach Fatima, 17. 5. 2000).

Bei der Generalaudienz nach der ersten Pilgerreise nach Fatima am 19. Mai 82 erklärte Johannes Paul II: Die Wallfahrt nach Fatima war ein Bedürfnis des Herzens und zugleich eine Offenbarung des Weges, dem die Kirche am Ende dieses Jahrhunderts folgt, als Volk Gottes, das mit der ganzen Menschheit verbunden ist, mit dem Sinn einer besonderen Verantwortung für die jetzige Welt" (Insegnamenti 1982,2,1758). Die Kirche folgt diesem Weg.

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