Prophetie

Warum erst jetzt?


Das Buch Daniel im Alten Testament und die Offenbarung des Johannes im Neuen Testament sind die geheimnisvollsten Bücher der Bibel, denn in beiden Büchern wird in verschlüsselter Form die Zeit vor dem Kommen des Messias bzw. die Zeit vor der Wiederkunft Christi beschrieben. Warum sprachen Daniel und Johannes nicht im Klartext?

Diese Verschlüsselung war und ist ein geeignetes Feld für Spekulationen und Prediger, die behaupten, über prophetische Aussagen biblische Erleuchtung zu haben. In allen Jahrhunderten wagten sich jüdische und christliche Bibelforscher an eine für ihre Zeit ansprechbare Auslegung dieser beiden prophetischen Bücher.

Selbst orthodoxe Juden, die sonst dem Neuen Testament eher aus dem Weg gehen, sehen in der Offenbarung des Johannes ein jüdisches Buch, das ihnen hilft, die prophetischen Aussagen Daniels besser zu verstehen. Wenn orthodoxe Juden sich ein Neues Testament besorgen, dann meistens nicht, um Johannes 3,16 zu lesen, sondern um die Apokalypse des Johannes mit den Prophetien Daniels vergleichen zu können.

Gott befahl dem Propheten Daniel: „Halte diese Offenbarung unter Verschluss und versiegele dieses Buch bis zur Endzeit, denn erst dann werden sie – die es durchforschen – zur Erkenntnis des Gesagten kommen“ (12,4). Da Bibelforscher aller Zeiten meinten, dass sie bereits in der Endzeit leben, versuchten sie in der Meinung, dass damit die Versiegelung der Prophetien entsiegelt ist, die Weissagungen des Daniel im Zusammenhang mit denen des Johannes zu entschlüsseln, was oft zu kuriosen Auslegungen führte.

Heute liegt es an uns zu glauben, ob wir bereits in der Endzeit leben. Schon Paulus und Johannes (1. Korinther 16,22 und Offenbarung 3,11) glaubten vor 2000 Jahren, dass Christus bald wiederkommen wird. Dieses bald schreibt sich im neutestamentlichen Koine-Griechisch tachy und bedeutet übersetzt schnell, d.h. Jesus kommt schnell wieder. Aus der Sicht der damaligen Jünger ist dies verständlich, sagte Jesus doch nach seiner Auferstehung zu Petrus über den Jünger, den Jesus besonders liebte, womit Johannes gemeint war: „Wenn es mein Wille ist, dass dieser bis zu meinem Kommen am Leben bleibt, was geht das dich an?“ (Johannes 21,23). Also glaubte man, dass Jesus noch zu Lebzeiten der Jünger wiederkommt.

Durch die von Gott befohlene Versiegelung der für die Endzeit bestimmten Prophezeiungen bleibt uns nur das Eine: Allezeit bereit zu sein!

Ich bin lieber eine Stunde zu früh am Flugplatz als fünf Minuten zu spät. Jesus mahnt uns, allezeit bereit zu sein, was er an dem Gleichnis von den fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen in Matthäus 25 eindringlich illustriert.